dische  Kalifat  erstreckte  sich  indes  nicht  mehr  über  den
ganzen  Westen  der  alten  Welt;  denn  einer  der  Omaijaden,
  welcher  dem  fürchterlichen  Blutbad,  das  über
seinen  Stamm  erging,  entflohen  war  und  sich  nach  Afrika
geflüchtet  hatte,  ging  von  da  nach  Spanien  über  und
sründete  dort  das  Kalifat  von  Cordova.  Auch  dieses  Kalifat
  setzte  sich  die  Pflege  der  Kultur  zur  Aufgabe,  und
man  kann  sagen,  daß  dadurch  die  Herrschaft  der  Araber
über  Spanien  bedeutungsvoller  wurde  als  die  der  Goten.

Ich  will  nun  einen  Blick  werfen  auf  das  politische  Element,
  welches  der  Herrschaft  der  Mohammedaner  zus
grunde  liegt  und  auch  in  der  jetzigen  Zeit  noch  fortwirkt.
  Wir  sehen  im  Orient  über  das  Gebiet  der  ältesten
Kultur  (Assyrien,  Babylonien,  Ägypten  usw.)  eine  Herr
schaft  verbreitet,  deren  Prinzip  das  der  Religion  und  des
Glaubens  war.  Wer  sich  nicht  zum  Islam  bekennt,  der
kann  weder  teilhaben  an  dem  Staate  noch  an  den  Waffen;
  denn  in  dem  Fürsten  konzentriert  sich  auf  ganz  ununterscheidbare
  Weise  das  religiöse  und  politische  Prinzip.
  Die  unterworfenen  Untertanen  gerieten  so  zwar  oft
in  einen  ziemlich  erträglichen  Zustand,  blieben  aber  vom
Staat  und  der  Kirche  ganz  ausgeschlossen,  da  sie  nur  die
Unterlage  des  Islam  zu  bilden  bestimmt  sind.  Dies  ist
das  Verhältnis  der  heutigen  Rajah  in  der  Türkei.  Wir
erkennen  darin  den  großen  Unterschied  zwischen  dem
Orient  und  Okzident  in  politischer  Hinsicht,  dessen
Summe  darin  besteht,  daß  die  Staaten  des  Orients  sich
nie  vollkommen  nationalisieren  können,  weil  weder  ihr
Staat  noch  ihre  Kirche  bis  auf  den  Grund  der  Bevölkerung
  reicht,  sondern  dieser  immer  von  beiden  ausgeschlossen
  ist,  während  im  Abendland  das  Prinzip  im
allgemeinen  das  ist,  Kirche  und  Staat  zu  nationalisieren.

Darin  liegt  denn  auch  der  Grund  der  Macht  des  Okzidents
  gegenüber  dem  Orient.  Der  Orient  erhob  sich
zwar  glanzvoller,  aber  im  Okzident  ist  die  Entwicklung
eine  reelle  gewesen.  Das  Christentum  fixiert  das  Zen»
trum  der  Tätigkeit  überall  in  kleineren  Kreisen;  jedes

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