Was  nun  die  Stellung  des  Papstes  anbelangt,  so  war
es  hier  von  der  größten  Wichtigkeit,  daß  er,  der  noch
immer  dem  oströmischen  Reiche  angehörte,  sich  von
demselben  trennte,  und  zwar  gerade  in  der  Epoche  Karl
Martells.  Das  geschah  in  folgender  Weise.  Kaiser  Leo
der  Isaurier  hatte  den  Gedanken,  sich  dem  Mohammedanismus
  zu  nähern,  weshalb  er  auch  Sarazenophron,
d.h.  der  sarazenisch  Gesinnte,  genannt  wurde.  Um  den
Vorwurf  der  Mohammedaner,  als  ob  die  Christen
Götzenbilderverehrer  wären,  von  sich  abzuwenden,  oder
vielleicht  auch  aus  Überzeugung,  verbot  er  den  Bilder:
dienst  und  zerstörte  die  Bilder  großenteils.  Dadurch
kam  er  natürlich  in  Konflikt  mit  dem  römischen  Papst,
der  ohnehin  aus  verschiedenen  Gründen  nicht  mehr
zum  oströmischen  Reiche  halten  wollte.  Hierhin  gehört
namentlich  die  geringe  Hilfe,  welche  Byzanz  dem  Papste
in  seinem  Kampfe  mit  den  Langobarden  leisten  konnte,
und  die  Ungeneigtheit  verschiedener  italienischer  Städte,
sich  von  Konstantinopel  aus  regieren  zu  lassen.  So  richtete
  der  Papst  nunmehr  sein  Augenmerk  nach  dem
Abendlande,  wo  er  sich  bereits  einer  hohen  Verehrung
zu  erfreuen  hatte.  Das  entscheidende  war  aber  hierbei,
daß  der  Papst  von  den  langobardischen  Königen  immer
stärker  und  stärker  bedrängt  wurde.  In  dieser  Not  wendete
  er  sich  an  den  fränkischen  Hausmeier.

Im  Frankenreich  war  der  Zustand  ein  ganz  anormaler
geworden:  da  war  der  alte  Volkskönig,  der  auf  seiner
Villa  haushielt  und  auf  die  öffentlichen  Angelegenheiten
gar  keinen  Einfluß  mehr  ausübte,  und  ihm  gegenüber
der  Hausmeier,  der  die  ganze  Gewalt  in  Händen  hatte.
So  lag  die  Frage  ganz  nahe:  soll  dieser  Zustand  so  fortdauern,
  oder  soll  derjenige,  welcher  die  Gewalt  hat,
auch  König  sein?  Diese  Frage  legte  Pipin,  der  die  un
geheure  Autorität  des  Papstes  im  Abendlande  kannte,
dem  Papste  Zacharias  vor.  Dieser  antwortete,  ihm  scheine
es  besser,  daß  derjenige,  welcher  die  Gewalt  habe,  auch
König  sei,  und  fügte  ausdrücklich  die  motivierenden

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