Gewalt  im  fränkischen  Reiche  erlangte,  entbehrte  sogar
der  religiösen  Autorität,  welche  das  Volkskönigtum  in
Germanien  bisher  gehabt  hatte;  der  Hausmeier  war  bloß
der  Repräsentant  der  weltlichen  Gewalt,  dagegen  der
Papst  war  durchaus  geistlicher  Fürst  und  hatte  damals  gar
keine  weltliche  Macht,  und  sein  Gehorsam  war  auch
zweifelhaft.

Dies  war  die  Grundlage  des  karolingischen  Reiches,
wie  sie  unter  Karl  Martell  und  Pipin  dem  Kleinen  sich
festgesetzt  hatte.  Wenn  Karl  der  Große  zuerst  die  Langobarden
  unterwarf  (774),  so  war  das  ein  großer  Vorteil
sowohl  für  ihn,  weil  dadurch  die  Franken  in  Italien  festen
Fuß  faßten,  als  auch  für  den  Papst,  dessen  geschworne
Feinde  die  Langobarden  gewesen.  Nach  der  Befreiung
des  Papstes  von  seinen  Feinden  zog  Karl  der  Große  in
Rom  ein  und  wurde  von  dem  Papste  unter  den  größten
Feierlichkeiten  empfangen.

Den  Langobarden  blieb  nur  mehr  das  Herzogtum  Benevent.
  Dieses  stand  in  Verbindung  mit  dem  Bayernherzog
  lassilo,  der  gleichfalls  Karl  dem  Großen  feindlich
gesinnt  war  und  sich  mit  den  in  Pannonien  herrschenden
Avaren  verbündete.  Allein  trotz  dessen  war  Karl  der
Große  viel  zu  mächtig,  als  daß  ihm  seine  Feinde  hätten
widerstehen  können.  Gleichwie  die  Langobarden  durch
die  vereinigte  Aktion  des  Papstes  und  des  Kaisers  unter:
worfen  worden  waren,  traf  dieses  Schicksal  auch  die
Herzoge  von  Bayern  und  von  Benevent.  Hiernach  warf
sich  der  durch  die  Waffen  bekräftigte  Bekehrungseifer
des  großen  Frankenkönigs  zugleich  von  Bayern  und  Italien
  aus  auf  die  heidnischen  Avaren.  Auch  sie  unterlagen
und  ein  Teil  ihrer  ungeheuren  Beute  fiel  als  Geschenk
dem  Papste  zu.  Dadurch  wurde  Pannonien  für  das  Christentum
  gewonnen.  Unter  der  Herrschaft  der  Avaren
war  eine  große  Menge  slawischer  Nationen  vereinigt  gewesen,
  die  nun  eine  gewisse  Freiheit  bekamen  und  anfingen,
  sich  selbst  zu  organisieren;  und  weil  dies  durch
Karl  den  Großen  bewirkt  worden,  so  nannten  sie  ihre

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