Kalifat  der  Omaijaden  in  fortwährenden  Zwistigkeiten
mit  den  Abbassiden  begriffen  und  auch  von  inneren
Empörungen  bedroht  war,  so  daß  Karl  der  Große  sogar
von  einigen  spanischen  Emiren  zu  Paderborn  aufgefordert
  wurde,  nach  Spanien  zu  gehen.  Bei  Roncesvalles  in
den  Pyrenäen  erlitt  er  zwar  eine  Niederlage,  infolge
deren  er  sich  zuerst  im  südlichen  und  westlichen  Frankreich
  mehr  befestigen  mußte;  aber  nachdem  dies  geschehen
  war,  überschritter  zum  zweitenmal  die  Pyrenäen,
und  nunmehr  gelang  es  ihm,  die  spanische  Mark  (um
Barcelona)  zu  gründen,  aus  welcher  später  die  König:
reiche  Katalonien,  Valencia,  Murcia  hervorgingen.

Karls  des  Großen  Tätigkeit  war  eine  ganz  ungeheure;
wenn  man  bedenkt,  daß  er  Italien,  Frankreich,  Germa:
nien  gleichmäßig  beherrschte,  dabei  von  seinen  Feinden
unaufhörlich  bald  an  diese,  bald  an  jene  äußerste  Grenze
seines  Reiches  gerufen  wurde  und  darüber  sein  großes
Ziel  als  Fürst  der  Kultur  doch  nicht  aus  dem  Auge  ließ}.
Hierbei  sind  zwei  Momente  besonders  merkwürdig:

1.,  daß  diese  drei  Nationen  das  Bewußtsein  ihrer  Nationalität,
  die  noch  nicht  ausgebildet  war,  Karl  dem  Gro-Ben
  zu  verdanken  haben.  Wir  haben  nämlich  gesehen,
wie  in  Italien  die  drei  Elemente,  Griechen,  Papst  und
Langobarden  sieh  unaufhörlich  bekämpften.  Das  hörte
nun  ganz  auf:  die  Griechen  wurden  aus  Italien  ausge»
stoßen,  die  Langobarden  gedemütigt,  und  der  Papst  vereinigte
  sich  mit  den  Franken.  Deutschland  ferner  existierte
  vor  Karl  dem  Großen  eigentlich  gar  nicht!);  denn
bis  dahin  hatten  sich  die  alten  Stämme  gar  nicht  als
etwas  Zusammengehörendes  betrachtet.  Erst  dadurch,
daß  Karl  der  Große  sie  alle  unter  seinem  Zepter  vereis
nigte,  lernten  sie  sich  als  Einheit  kennen.  Ebenso  war  es
endlich  in  Frankreich;  es  wäre  an  eine  französische
Nationalität  nicht  zu  denken  gewesen,  wenn  nicht  die

Y)  Die  gemeinsame  Bezeichnung  „deutsch“  kam  erst  im  9.  Jahr:
hundert  durch  Karl  den  Großen  in  Aufnahme.

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