schon  ins  germanische  Königtum  Ideen  der  römischen
Staatsgewalt  aufgenommen  worden  waren,  so  wurde  doch
dieses  Element  viel  stärker  dadurch,  daß  der  mächtige
Fürst  zugleich  römischer  Kaiser  wurde;  denn  nun  behauptete
  er,  daß  ihm  alle  die  Gerechtsame  gebührten,
die  früher  dem  römischen  Kaiser  zugestanden  hatten.

Dadurch  wurde  die  Verbindung  zwischen  Papst  und
Kirche,  zwischen  geistlicher  und  weltlicher  Gewalt  noch
fester.  Zugleich  schrieben  aber  die  Päpste  von  dieser  Zeit
ihr  Recht,  die  Kaiser  zu  ernennen,  her,  was  insofern  ver:
kehrt  war,  als  sie  ihnen  zwar  die  Würde,  nicht  aber  die
Macht  gegeben  hatten.  Das  karolingische  Reich  beruhte
nun  aber  einmal  auf  dieser  engen  Verbindung  des  Papst:
tums  mit  dem  Königtum,  welche  alle  Schichten  der  Bevölkerung
  durchdrang  und  bis  in  die  untersten  Verwaltungskreise
  sich  erstreckte.  Das  ganze  Reich  war  eingeteilt
  in  Grafschaften  und  Bistümer.  Neben  jedem  Grafen
stand  ein  Bischof  und  beide  waren  gehalten,  einander
die  Hand  zu  bieten;  ebenso  die  untergeordneten  Zentenarien
  und  Archidiakonen.  Wenn  der  Graf  jemand  zu
einer  weltlichen  Strafe  verdammte,  so  sollte  der  Bischof
diesen  exkommunizieren  und  umgekehrt.  Und  doch  kann
man  nicht  sagen,  daß  unter  den  Karolingern  die  Bischöfe
eine  bedeutende  Autorität  hatten.  Sie  galten  nur  als  die
Repräsentanten  der  geistlichen  Gewalt,  die  dem  König
zum  weltlichen  Gehorsam  verpflichtet  waren  und  des»
halb  von  ihm  getragen  und  gefördert  wurden.  Im  übrigen
setzte  der  König  die  Bischöfe  ein  und  versetzte  sie,  hielt
Konzilien  usw.

Mit  diesen  politisch-kirchlichen  Einrichtungen  war  zus
gleich  eine  mehr  systematische  Wiederaufnahme  der
Kultur  aus  der  antiken  Welt  verbunden.  Nachdem  Karl
der  Große  diese  Einheit  gestiftet  hatte,  sah  er  darauf,
daß  die  unter  den  Stürmen  der  Jahrhunderte  verwüsteten
Schulen  wiederhergestellt  und  gehoben  wurden.  Zu  diesem
  Zwecke  verschrieb  er  sich  von  allen  Seiten  Lehrer,
aus  Italien  den  Geschichtschreiber  der  Langobarden

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