wurde  hierbei  in  einer  Weise  begünstigt,  daß  seine  Brüder
  ihm  gegenüber  gleichsam  als  apanagierte  Prinzen  erschienen.
  Darüber  kam  es  zum  Streit  zwischen  den  Brüdern
  Lothar,  Ludwig  und  Karl  dem  Kahlen.  Der  fränkische
  Heerbann  betrachtete  sich  lange  Zeit  als  eine
Einheit  und  wollte  lange  für  oder  wider  die  Brüder  nicht
Partei  nehmen.  Endlich  kam  es  zum  Treffen  bei  Fontenay
841,  in  welchem  Lothar  geschlagen  wurde,  und  hierauf
843  zur  berühmten  Teilung  von  Verdun.  In  dieser  erhielt
Karl  der  Kahle  alles  Land  bis  an  die  Maas,  Ludwig  der
Deutsche  alles  Land  bis  an  den  Rhein  und  Lothar  die
Rheinlande  selbst  bis  ans  Meer  auf  der  einen  und  bisan
die  Rhone  auf  der  anderen  Seite  (Lothringen  im  weitesten
  Sinne)  nebst  Italien.  Das  Merkwürdigste  hierbei
ist,  daß  infolge  dieses  Vertrages  nicht  drei  Reiche  entstanden,
  sondern  daß  drei  Brüder  ein  großesReich  teilten,
von  denen  der  älteste  ein  oberstes  Ansehen  behielt.

Lothar  II.,  Lothars  Sohn,  starb  ohne  Hinterlassung
von  Erben  und  ebenso  sein  Bruder  Ludwig  Il.;  und  nun
entstand  die  Frage,  ob  ihr  Erbe  den  östlichen  oder  west:
lichen  Karolingern  zutallen  sollte.  Karl  der  Kahle  machte
alsbald  Ansprüche  darauf;  er  eilte  schnell  nach  Italien
und  wurde  vom  Papst  unterstützt;  allein  die  deutsche
Linie  behauptete  das  Kaisertum  und  jagte  Karl  den
Kahlen  aus  Italien  hinaus,  dessen  Enkel  879  auf  das
lothringische  Erbe  am  Rhein  und  Italien  Verzicht  leisteten,
  welches  nun  mit  Deutschland  vereinigt  wurde.  Daher
  kam  es,  daß  von  nun  an  die  späteren  deutschen
Könige  immer  Kaiser  waren.  Hätte  Karl  der  Kahle  seine
Idee  durchgesetzt,  so  wären  die  französischen  Könige
Kaiser  geworden;  da  aber  die  Linie  Ludwigs  des  Deuts
schen  die  Oberhand  behielt,  und  zwar  nicht  bloß  durch
die  Gewalt  der  Waffen,  sondern  auch  durch  Vertrag,  so
blieb  die  Kaiserwürde  bei  Deutschland.

In  diesen  Kämpfen  zwischen  den  Gliedern  der  karo-:
lingischen  Familie  war  die  Macht  der  Großen  ungemein
erstarkt;  es  war  nämlich  den  Großen  gewissermaßen  frei:

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