ZEHNTER  VORIRAG)
N“  im  Abendlande  eine  große  Mitte  der

Kultur  gebildet  worden  war,  erschienen  plötzlich

Völker,  welche  das  mühsam  aufgerichtete  Ge»
bäude  mit  einemmal  über  den  Haufen  zu  stürzen  drohten.
  Dies  waren  von  der  einen  Seite  auf  dem  Kontinent
die  Ungarn,  auf  der  anderen  Seite  von  der  See  her  die
Normannen.

Die  Ungarn  hingen  mitdem  ugrisch-finnischen  Stamme
zusammen,  aus  welchem  die  alten  Hunnen  hervorgegangen
  waren,  so  daß  sie  mit  einem  Scheine  von  Recht
auf  das  von  Attila  früher  innegehabte  Ungarn  Ansprüche
erheben  konnten.  Während  der  damalige  deutsche  König
Arnulf  mit  dem  großmährischen  Reiche  im  Kampfe  begriffen
  war,  bemächtigten  sich  die  Ungarn  des  letzteren,
überfluteten  die  bayerischen  Grenzen  und  drangen  durch
diethüringischen  und  fränkischen  Marken  bis  Lothringen
vor.  In  dieser  Bedrängnis  erkannten  die  deutschen  Gro-=Ben
  das  Bedürfnis  einer  größeren  Einigkeit.

Aus  dieser  Erkenntnis  ging  die  Wahl  Heinrich  des
Finklers  aus  sächsischem  Geschlechte  hervor.  Er  bekam
eine  außerordentlich  schwierige  Aufgabe  zu  lösen,  denn
er  hatte  teils  mit  den  Ungarn  und  Slawen,  teils  mit  den
Normannen  und  Dänen  zu  kämpfen,  was  er  indes  alles
mit  glücklichem  Erfolge  ausführte.  Er  war  überhaupt
einer  der  größten  Fürsten  jener  Zeiten.  Das  Deutsche
Reich  wurde  unter  ihm  wieder  erneuert,  aber  dessen
König  war  nicht  mehr  der  karolingische  Kaiser;  Heinrich
  hatte  mit  den  westfränkischen  Karolingern  eine  Art
Abkommen  getroffen,  infolgedessen  er  im  unangefochtenen
  Besitze  des  ostfränkischen  Königtums  blieb.

Auf  ihn  folgte  Ottol.,  ebenfalls  ein  trefflicher  Fürst,
der  mit  dem  deutschen  Königtum  das  Kaisertum  ver:
einigte.  Er  ging  nämlich  mit  oder  ohne  Willen  des  Papstes
  nach  Rom  und  setzte  dort  seine  Krönung  zum  Kaiser

ı)  Vom  5.  Oktober  1854.
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