römische  Reich  —  vom  vierten  bis  zum  achten  Jahrhundert;
  3.  das  karolingische  und  das  Deutsche  Reich.

Das  deutsche  Kaisertum  war,  wie  wir  gesehen  haben,
eine  etwas  einseitige  Fortsetzung  des  karolingischen
Reiches;  in  der  Hauptsache  aber  verfolgte  es  dieselben
Ideen  und  hatte  dieselben  Bestrebungen  wie  jenes.  Im
Inneren  war  es  zwar  nicht  so  mächtig  unter  den  Ottonen
wie  unter  Karl  dem  Großen,  weil  in  dieser  Epoche  die
Nationalitäten  sich  zu  größerer  Selbständigkeit  empor&gt;
geschwungen  hatten;  aber  die  abwehrende  und  zivilisierende
  Stellung  hatte  es  mit  dem  karolingischen  Zeitalter
  gemein;  in  letzterer  Beziehung  nahm  es  aus  dem
byzantinischen  Reiche  infolge  der  Verbindung  Ottos  II.
mit  einer  griechischen  Prinzessin  manche  Elemente  in
sich  auf.  Ebenso  war  das  Verhältnis  zum  Papste  dasselbe:
  die  Union  zwischen  Kirche  und  Staat  blieb;  das
kirchliche  Element  wurde  zwar  für  unentbehrlich  gehalten,
  doch  herrschten  die  Päpste  nicht  über  das  Reich,
eher  wurden  sie  von  demselben  beherrscht.

In  folgenden  Tatsachen  wenigstens  zeigte  sich  eine
gewisse  Abhängigkeit  des  Papsttums  vom  Kaisertum:
l.  Otto  I.  setzte  den  Papst  ab  und  ließ  einen  anderen
wählen;  2.  Otto  III.  setzte  seinen  eigenen  Lehrer  Gerbert
zum  Papst;  3.  Kaiser  Heinrich  III.  setzte  1046  drei  Päpste
aufeinmalab  und  einen  Deutschen  anihre  Stelle.  Letzterer
war  überhaupt  einer  der  mächtigsten  Kaiser  und  wußte
jede  Opposition  zu  unterdrücken.  Er  besiegte  um  das  Jahr
1050  die  Ungarn,  welche  sich  zum  Christentum  bekehrt
hatten  und  die  deutsche  Verfassung  bei  sich  aufnahmen,
und  wußte  die  Polen  und  Dänen  in  Abhängigkeit  vom
Reiche  zu  erhalten.  Auch  die  Capetinger  in  Frankreich
waren  zu  ohnmächtig,  um  etwas  gegen  das  Kaisertum  auszurichten,
  obwohl  dasselbe  unter  den  Saliern  nicht  mehr
die  Fülle  der  Macht  hatte  wie  unter  den  Ottonen.  So
stand  es  um  die  Mitte  des  11.  Jahrhunderts;  von  da  an
beginnt  jedoch  eine  neue  vierte  Epoche,  welche  ich  das
hierarchische  Zeitalter  nennen  möchte.

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