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Das  hierarchische  Zeitalter
Vom  11-13.  Jahrhundert

Man  irrt  in  der  Regel,  wenn  man  die  Hierarchie  des
Papsttums  als  Entwicklung  der  geistlichen  Idee  betrachtet.
Das  Papsttum  erwarb  ein  förmliches  Reich  und  ist  zu
dieser  Herrschaftnicht  durch  eine  Entfaltung  der  Doktrin
gekommen,  welche  schon  vorher  entwickelt  war,  sondern
durch  Kampf  und  Krieg.  In  dieser  hierarchischen  Erscheinung
  liegt  die  Summe  der  Geschichte  bis  auf  die
Reformation.  Hier  will  ich  nun  handeln:  1.  von  der
Emanzipation  des  Papsttums  vom  Kaisertum;  2.  von  den
auswärtigen  Unternehmungen  des  Papsttums,  den  Kreuzzügen;
  3.  von  der  Überwältigung  der  weltlichen  Gewalt
durch  das  Papsttum.

l.  Emanzipation  des  Papsttums  vom
Kaisertum

Im  10.  und  11.  Jahrhundert  war  es  dahin  gekommen,
daß  Europa  beinahe  vollständig  christlich  geworden  war.
Jedoch  war  es  nicht  ganz  zur  römischen  Kirche  übergegangen;
  denn  gerade  in  diese  Epoche  fällt  die  Verbindung
Moskaus  (unter  Wladimir)  mit  Konstantinopel,  indem
die  Russen  von  Osten  aus  bekehrt  wurden.  Daher  rührt
der  Hauptgegensatz  Rußlands  und  Polens:  in  jenem  kam
der  eigentümliche  Gang  und  die  volle  Bedeutung  der
orientalisch  kirchlichen  Entwicklung  zur  Anschauung,  in
folge  deren  der  Kaiser  über  die  Kirche  die  Oberhand  hat.
In  diesem  hingegen  entwickelte  sich  die  okzidentalische
Anschauung  mit  ihrer  mächtigen  Aristokratie  in  Kirche
und  Staat.  Der  Impuls  der  abendländischen  Völker  wurde
zwar  durch  diese  Lostrennung  der  russischen  Kirche  vom
Okzident  gehemmt,  aber  man  kann  meines  Dafürhaltens
darin  keinen  Nachteil  erblicken,  weil  hierdurch  die  Ge-69

