fahr  entfernt  wurde,  daß  das  mächtige  germanische  Element
  in  der  Kirche  durch  das  slawische  verdrängt  werde.

Wir  haben  also  unsere  Betrachtungen  auf  den  Kreis
der  durch  die  Karolinger  und  das  Kaisertum  bekehrten
und  zivilisierten  Völker  zu  beschränken,  wozu  außer  den
spanischen  Reichen  Frankreich,  England,  Deutschland
und  zum  Teil  auch  die  nordischen  Reiche  sowie  Polen
und  Ungarn  gehören.  Hier  brach  nun  um  die  Mitte  des
11.  Jahrhunderts  jener  große  Zwiespalt  aus  zwischen
Kirche  und  Staat,  zwischen  Kaisertum  und  Papsttum.  In
diesem  Streit  darf  man  nicht  ein  Unglück  sehen,  denn  er
liegt  zu  tief  in  der  Natur  der  Dinge  begründet,  und  an
diesen  Gegensätzen  ist  der  europäische  Geist  gereift.
Wir  wollen  nicht  den  Papst  anklagen,  weil  er  zu  so  großer
Bedeutung  gelangt  ist;  ebensowenig  aber  verdient  der
Lob,  der  sich  ihm  unterwerfen  wollte.

Die  wichtigste  Frage  ist  nun  die:  Worauf  beruhte  die
Oberherrschaft  der  päpstlichen  Macht,  in  welcher  die
Anhänger  des  Papsttums  in  irrtümlicher  Weise  eine  nor:
male  und  notwendige  erkennen?  Sie  beruht  auf  drei
Momenten.

1.  Die  Kirche  hatte  schon  in  der  karolingischen  Zeit,
wie  wir  oben  gesehen  haben,  ihre  Ansprüche  auf  Grund
der  falschen  Dekretalen,  wenn  auch  nicht  durchgesetzt,
so  doch  formuliert.  2.  Die  deutschen  Kaiser  waren  sehr
religiös  gesinnt  und  wünschten  selbst  die  Begründung
eines  geordneten  Papsttums,  was  sie  auch  durch  ihre
kräftige  Einwirkung  auf  das  römische  Faktionswesen  betätigten!).
  Durch  ihren  religiösen  Sinn  trugen  sie  also  auch
dazu  bei,  dem  Papst  eine  höhere  Stellung  zu  geben.  3.  Die
römische  Kirche  hatte  sich  nach  und  nach  das  Recht  der
letzten  Entscheidung  in  den  Sachen  beigelegt,  welche
früher  den  Synoden  anheimgefallen  waren.  Die  letzteren

D)  Heinrich  III.  hatte  unter  anderen  Leo  IX.  als  Papst  eingesetzt,
  der  ein  Reformpapst  war  und  an  die  wirkliche  Durchführung
  der  geistlichen  Idee  ging,  ohne  sich  mit  dem  Kaiser
darüber  zu  verfeinden.

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