verloren  aber  ihre  frühere  Bedeutung,  und  dieselbe  ging
auf  die  römische  Hierarchie  über.  So  z.  B.  wurde  die
Lehre  von  der  Transsubstantiation  des  Brotes  und  Weines
durch  die  römische  Hierarchie  allein  fixiert.

Da  kam  nun  Hildebrand  als  Gregor  VII.  an  die  Spitze
der  geistlichen  Angelegenheiten.  Dieser  hielt  mit  der  ihm
angeborenen  Energie  an  dem  Gedanken  fest,  nicht  nur,
daß  er  mit  seiner  lateranischen  Synode  in  jeder  Sache,
welche  die  Kirche  betreffe,  die  letzte  Entscheidung  geben
könne,  sondern  daß  eigentlich  der  Kirche  die  Führung
der  Welt  gehöre;  denn  Gott  habe  die  Kirche  unmittelbar
selbst  gestiftet,  und  was  ihr  widerstrebe,  widerstrebe  Gott.
Infolge  dieser  Ansichten,  zu  denen  ersich  bekannte,  faßte
er  auch  den  chimärischen  Gedanken,  sich  zum  Oberlehnsherrn
  aller  Fürsten  zu  erheben,  und  prätendierte,  daß
Ungarn,  Spanien,  England  und  Schottland  von  der  römischen
  Kirche  abhängen  sollten.  Einige  richtige  Ideen,
namentlich  in  bezug  auf  die  Reform  der  Kirche,  kann  man
zwar  diesem  Papste  nicht  absprechen,  aber  er  neigte  sich
zu  sehr  zu  den  Extremen  hin,  die  er  nun  mit  aller  Ent:
schlossenheit  geltend  zu  machen  suchte.

Dabei  entsteht  jedoch  die  Frage,  ob  das  Papsttum  allein
fähig  gewesen  wäre,  diese  Ideen  durchzuführen.  Darauf
können  wir  ganz  entschieden  mit  Nein  antworten:  es
mußte  sich  nach  Verbündeten  umsehen,  und  wo  anders
konnte  es  diese  finden,  als  in  den  Gegnern  des  jungen
Kaisers  Heinrich  IV.?

Die  Hauptstreitpunkte  zwischen  dem  Kaisertum  und
dem  Papste  waren  folgende  drei:  1.  Soll  der  Kaiser  einen
entscheidenden  Einfluß  auf  die  Papstwahl  haben?  2.  Soll
der  Kaiser  die  Bischöfe  setzen  oder  nicht,  und  solien  die
Bischöfe  überhaupt  abhängen  von  dem  Kaiser?  3.  Soll
der  Papst  das  Recht  haben,  über  den  Kaiser  zu  richten?

In  ersterer  Hinsicht  bestand  bereits  zu  Justinians  Zeiten
der  Gebrauch,  daß,  sooft  ein  römischer  Papst  gewählt
wurde,  man  es  dem  Kaiser  anzeigte,  worauf  dieser  einen
Gesandten  abschickte  und  unter  dem  Einfluß  des  Kaisers

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