Papst  erregte  aber  dadurch  bei  der  Geistlichkeit  einen
solchen  Widerstand,  daß  er  sich  gezwungen  sah,  davon
abzustehen  und  dem  Kaiser  zu  schwören,  daß  er  ihn  nicht
exkommunizieren  wolle.  Der  nächste  Papst  Calixtus  exkommunizierte
  dann  den  Kaiser  dennoch,  worauf  es  zu
weiteren  Streitigkeiten  zwischen  beiden  kam,  bis  die  deut:
schen  Fürsten  sich  der  Sache  annahmen.

Es  wurde  im  Jahre  1122  zu  Worms  das  erste  große
Konkordat  zwischen  der  weltlichen  und  geistlichen  Ges
walt  abgeschlossen,  welches  besonders  dadurch  wichtig
ist,  daß  das  Kaisertum  schon  so  weit  herabgebracht  war,
daß  es  allein  die  Sache  nicht  mehr  durchführen  konnte,
sondern  alle  Fürsten  zusammenkommen  und  sich  gleichsam
  als  Repräsentanten  des  Kaisertums  gerieren  mußten.
Das  Konkordat  ließ  es  bei  der  Belehnung  der  Geistlichen
durch  die  weltliche  Gewalt,  nur  mit  dem  Unterschiede,
daß  in  Italien  die  Weihe  der  Belehnung,  in  Deutschland
die  Belehnung  der  Weihe  vorangehen  solle.

So  waren  nun  Kaisertum  und  Papsttum  wieder  einiger:
maßen  miteinander  verträglich  geworden;  aber  das  war
das  alte  Kaisertum  nicht  mehr;  es  hatte  viel  an  seiner
früheren  Bedeutung  eingebüßt.  Das  zeigte  sich  am  grellsten
  bei  den  Kreuzzügen,  auf  die  wir  jetzt  zu  sprechen
kommen  müssen.

2.  Die  Kreuzzüge

Schon  der  erste  Kreuzzug  selbst  hat  unmittelbar  zur
Entscheidung  zwischen  Heinrich  IV.  und  Urban  Il.  bei:
getragen,  indem  die  zur  kriegerischen  Wallfahrt  vereinigten
  Iruppen  dazu  angewendet  wurden,  um  die
Kaiserlichen  aus  Italien  zu  verjagen.  Das  ist  aber  nicht
die  wichtigste  Seite  der  Sache,  die  Kreuzzüge  haben  viel:
mehr  noch  eine  ganz  andere  Bedeutung.  Sie  berühren  alle
allgemeinen  Verhältnisse  der  Welt  und  zeigen  zugleich,
daß  nicht  mehr  der  Kaiser,  sondern  der  Papst  der  Führer
der  Christenheit  im  Abendlande  ist.

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