An  die  Spitze  dieser  Bewegung  stellte  sich  der  Papst;
er  forderte  auf  den  Konzilien  von  Piacenza  und  Clermont
zum  Zuge  gegen  die  Ungläubigen  auf,  und  unter  dem
Rufe  ‚Deus  lo  volt‘“  nahm  alles  das  Kreuz.  Wie  der
Papst  überhaupt  sich  gerne  mit  der  populären  Meinung
vereinigte,  was  er  bei  der  Zölibatsfrage  bewiesen  hatte,
so  tat  er  es  auch  hier.  Es  wirkten  religiöse,  populäre  und
hierarchische  Motive  zusammen,  und  es  ist  gewiß  niemals
in  der  Welt  ein  wunderlicheres  Unternehmen  gewagt
wordenalsdieser  erste  Kreuzzug.  Die  Kreuzfahrer  wollten
ein  Land  jenseits  der  See  erobern,  ohne  daß  sie  eine  Seemacht
  besaßen.  Es  blieb  ihnen  daher  nur  der  Landweg
über  Konstantinopel  übrig.  Dort  trafen  sie  vor  allem  ein
ihnen  nichthomogenes  Element  in  der  Dynastie  der  Kom-&gt;
nenen,  welche  sich  natürlich  vor  dieser  gewaltigen  Ver:
bindung  abenteuerlicher  und  ehrgeiziger  Walifahrer
fürchteten.  Sie  gestatteten  ihnen  daher  den  ungehinderten
Durchzug  nur  nach  Ablegung  eines  feierlichen  Versprechens,
  daß  sie  die  den  Sarazenen  abgenommenen  Pro&gt;
vinzen  den  Griechen  übergeben  würden.  Nun  stürzten
sich  die  Kreuzfahrer  auf  die  sarazenischen  Länder,  eroberten
  nach  unsäglichen  Mühseligkeiten!)  Jerusalem
1099  und  gründeten  daselbst  wider  alle  Erwartung  ein
Königreich.  Der  religiöse  Impuls  zeigte  sich  dabei  in
einer  Mischung  von  Zügen,  die  einander  zu  wider:
sprechen  scheinen:  die  sarazenischen  Bewohner  der
eroberten  heiligen  Stadt  wurden  in  Haufen  hingewürgt,
und  an  den  heiligen  Stätten  strömte  das  Blut.  Als  man
aber  Gottfried  von  Bouillon  die  Krone  von  Jerusalem
antrug,  schlug  er  sie  aus  mit  den  Worten:  „Da,  wo
unser  Erlöser  eine  Dornenkrone  trug,  will  ich  keine
weltliche  tragen!“  Ein  wunderbares  Gemisch  von  Fanatismus
  und  Hingebung.  Erst  von  Jerusalem  aus  wurde

t)  In  Antiochien,  als  der  Mut  der  Kreuzfahrer  schon  ganz
erschlafft  war,  wurden  sie  durch  das  bloße  Auffinden  der
Speerspitze,  mit  welcher  die  Seite  Christi  durchbohrt  worden
war,  zu  neuen  Anstrengungen  begeistert.

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