DREIZEHNTER  VORTRAG)

3.  Überwältigung  der  weltlichen  Gewalt
durch  das  Papsttum

bildet  habe,  und  von  dem  ich  der  Überzeugung

bin,  daß  er  vollkommen  richtig  ist,  ist  der,  daß  der
Komplex  der  christlichen  Völker  Europas  als  ein  Ganzes,
  gleichsam  als  ein  Staat  zu  betrachten  ist,  sonst  könnte
man  den  ungeheuren  Unterschied,  der  zwischen  der
okzidentalen  und  orientalen  Welt,  und  die  große  Ähnlichkeit,
  welche  zwischen  den  germanischen  und  romanischen
  Völkern  besteht,  nicht  recht  begreifen.  Von
diesem  Gesichtspunkte  ausgehend,  haben  wir  die  Kreuzzüge
  als  auswärtige  Unternehmungen  der  Christenheit
betrachtet  und  gehen  nunmehr  auf  die  inneren  Angelegenheiten
  dieses  Völkerkomplexes  über,  als  welche
wir  das  Verhältnis  der  einzelnen  Fürsten  zueinander
und  zu  dem  Papste  betrachten.

Zwischen  dem  Kaisertum  und  dem  Papsttum  war,
wie  wir  gesehen,  ein  Konkordat  abgeschlossen  worden,
und  man  hatte  sich  so  ziemlich  miteinander  verständigt.
Da  bekam  das  Kaisertum  eine  höchst  würdige  Repräsentation
  in  dem  Hohenstaufengeschlechte,  welches  mit
den  Saliern  in  weiblicher  Linie  zusammenhing  und  insofern
  gewissermaßen  eine  Fortsetzung  des  frühern  Kaiser:
tums  war.  Auf  der  anderen  Seite  aber  unterschieden  sich
die  Staufer  dadurch  von  den  Saliern  und  Ottonen,  daß
sie  schon  von  vornherein  nicht  als  die  ganze  Gewalt  an
und  für  sich  umfassend,  sondern  in  einem  gewissen  Ver:
hältnis  zu  der  allgemein  von  den  Fürsten  angestrebten
Unabhängigkeit  emporkamen.  Wir  haben  nämlich  oben
gesehen,  wie  der  Kampf  des  Kaisers  mit  dem  Papste
nicht  hatte  ausgemacht  werden  können,  ohne  die  Fürsten

Ri:  der  vornehmsten  Gedanken,  die  ich  mir  ge-1)

  Vom  8.  Oktober  1854.
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