er  mit  diesem  Vorhaben  durchgedrungen,  so  würden
die  deutschen  Fürsten  um  einen  Grad  tiefer  inihrer  Macht
herabgekommen  sein;  denn  die  Unabhängigkeit  der
Einzelfürsten  Deutschlands  steht  mit  der  Macht  des  gesamten
  Deutschlands  im  umgekehrten  Verhältnis.  Es
war  aber  wie  ein  Schicksal,  daß  das  Deutsche  Reich  nie
zur  Entwicklung  kommen  sollte.  Auch  Heinrich  VI.  starb
in  der  Mitte  dieser  seiner  Bestrebungen  mit  Hinterlassung
eines  Sohnes,  der  noch  in  der  Kindheit  sich  befand,  und
an  die  Stelle  des  schwachen  Papstes  Zölestin  trat  Innozenz
  III.,  einer  der  tatkräftigsten  und  mächtigsten  Päpste.

In  Deutschland  erhoben  sich  jetzt  wieder  die  beiden
Parteien  der  Welfen  und  Staufer.  Heinrich  der  Löwe
war  nach  Friedrichs  I.  Tod  wieder  zurückgekehrt  und
hatte  sich  an  die  Spitze  seiner  Anhänger  gestellt.  Es  kam
zu  einer  streitigen  Kaiserwahl  in  Deutschland,  bei  der
sich  zwei  Bewerber  gegenüberstanden,  nämlich  Otto,
der  Sohn  Heinrichs  des  Löwen,  und  Philipp  der  Hohen»
staufe.

Der  Papst  entfernte  nunmehr  die  kaiserlichen  Beamten
aus  Rom  und  stellte  die  päpstliche  Gewalt  wieder  in
ihrem  vollen  Umfange  her,  setzte  seine  Macht  auch  in
Toskana  fest  und  behauptete  sein  Übergewicht  auch  in
Oberitalien.  Was  die  beiden  Prätendenten  betraf,  so  for
derte  er  sie  auf,  vor  seinen  Richterstuhl  nach  Rom  zu
kommen,  um  sich  dort  seiner  Entscheidung  zu  unter:
werfen.  Der  Papst  war  anfangs  für  Otto,  später  für
Philipp;  als  aber  durch  die  Ermordung  Philipps  der
kaiserliche  Thron  erledigt  wurde,  erklärte  er  sich  abermals
  für  Otto.  Dieser  hatte  sich  indessen  mit  einer  Dame
aus  dem  hohenstaufischen  Hause  vermählt  und  war
durchaus  nicht  gemeint,  das  mindeste  von  den  Ansprüchen
  der  Kaiser  aufzugeben.  Ja,  er  erlaubte  sich
sogar  in  Italien  wirkliche  Übergriffe,  worüber  der  Papst
in  den  höchsten  Zorn  geriet:  „Poenitet  nos,  fecisse  hominem‘.
  Otto  besaß  zwar  nicht  die  Fülle  der  hohenstaufischen
  Macht,  aber  in  Italien  ging  eine  bedeutende

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