heit  symbolisiert  wurde,  und  der,  da  er  keinem  Lande
besonders  angehört,  in  Wahrheit  der  Stil  der  Hierarchie
genannt  werden  kann.  Dieselben  Tendenzen  zeigen  sich
in  der  Literatur.  Die  Universitäten  des  11.  und  12.  Jahr:
hunderts  waren  nichts  als  theologische  Schulen.  Der
Papst  selbst  ließ  sich  zwar  nicht  in  theologische  Streitigkeiten
  ein,  aber  in  Paris  entwickelten  die  Dominis
kaner  die  Lehre  der  Kirche  ganz  im  geistlichen  Sinn;
die  spätere  dogmatische  Gestaltung  des  Katholizismus
wurde  durch  die  Schriftsteller  aus  diesem  Orden  fertig:
gemacht.  Die  Poesie  hatte  zwar  auch  noch  einen  anderen
als  bloß  geistlichen  Inhalt,  aber  sie  bewegte  sich  doch
in  diesen  Kreisen;  ich  erinnere  an  die  Gralssage,  eine
Mischung  von  altheidnischen  Traditionen  und  christlichen
  Anschauungen.  Mit  einem  Worte,  diese  Ver:
einigung  von  Religion  und  Herrschaft,  von  Priestertum
und  Rittertum,  Poesie  und  Kunst  bildete  ein  glänzendes,
aber  drückendes  Ganze,  gegliedert  wie  ein  gotischer
Dom,  an  dessen  Spitze  der  hohe  Priester  stand  und  alles
beherrschte.

VIERZEHNTER  VORTRAG)

ährend  diese  überaus  merkwürdige  Entwick-\

  V  lung  des  Westens  vor  sich  ging,  verfiel  der
Orient  in  die  vollständigste  Barbarei.  Auf  die
kultivierbaren  Araber  waren  die  rohen  Türken  (Seldschuken)
  gefolgt,  und  im  13.  Jahrhundert,  gerade  in  den
Tagen,  wo  Friedrich  II.  und  Papst  Innozenz  IV.  mit  einander
  schlugen,  erschienen  an  den  Pforten  der  westlichen
Welt  die  Mongolen.  Der  große  Dschingischan  bildete
sie  zu  einer  Gemeinschaft,  welche  der  übrigen  Welt  uns
widerstehlich  war.  Sie  stürzten  sich  von  den  Hochebenen

ı)  Vom  9.  Oktober  1854.
96