Karl  von  Anjou  nach  Italien.  gerufen  worden;  Ludwig
der  Heilige  hatte  die  beiden  letzten  Kreuzzüge  unternommen
  und  schloß  sich  den  geistlichen  Ideen  unbedingt
  an,  obwohl  er  den  unbedingten  Ansprüchen  des
Papsttums  eher  Widerstand  als  Folge  leistete  und  von
den  Bedürfnissen  seines  Reiches  gut  unterrichtet  war.
Am  Ende  des  13.  Jahrhunderts  folgte  ihm  aber  sein  Enkel
Philipp  der  Schöne  nach,  einer  der  merkwürdigsten  Fürsten
  der  neueren  Zeit.  Dieser  schließt  sich  in  Durchführung
  des  weltlichen  Gesichtspunktes  ganz  an  Kaiser
Friedrich  II.  an,  braucht  viel  Geld  zu  seinen  Feldzügen
mit  England  und  erhält  es  auch  von  seinen  Untertanen,
kommt  aber  eben  dadurch  in  Konflikt  mit  dem  Papste,
dessen  Exaktionen  dadurch  henachteiligt  werden.  Im
Jahre  1302  beruft  der  König  seine  Stände  und  opponiert
sich  in  Gemeinschaft  mit  ihnen  dem  Papste.  Dadurch
allein  wurde  er  aber  des  Papstes  nicht  Herr,  sondern  er
brauchte  Gewalt  dazu,  überfiel  den  Papst  und  setzte  ihn
gefangen,  worüber  dieser  in  einem  der  Raserei  ähnlichen
Zustand  verstarb.  Damit  begnügte  sich  indes  der  König
von  Frankreich  nicht.  Er  verstand  es  besser  als  die  deutschen
  Kaiser,  ließ  durch  die  Kardinäle  einen  ihm  beliebigen
  Papst  wählen  und  wies  ihm  Avignon  im  südlichen
Frankreich  zum  Aufenthaltsorte  an.  Dadurch  machte
König  Philipp  der  Schöne  der  Autorität  des  Papsttums
durch  einen  plötzlichen  Schlag  —  ich  will  nicht  sagen
ein  Ende  —,  aber  er  vernichtete  die  Idee  der  allgemeinen
Autorität,  die  sich  daran  knüpfte.

Philipp  der  Schöne  war  überhaupt  fern  davon,  die
geistlichen  Anschauungen  der  früheren  Jahrhunderte
zu  teilen  und  zeigte  dies  auch  in  seiner  grausamen  Pro»
zedur  gegen  die  Tempelritter,  obwohl  er  ihnen  die
Schändlichkeiten  nicht  nachweisen  konnte,  die  er  ihnen
zur  Last  legte.

Aus  diesen  Verhältnissen  erwuchs  gegen  Ende  des
Jahrhunderts  das  sogenannte  Schisma.  Die  übrigen  europäischen
  Mächte  waren  nicht  gewillt,  einen  Papst  anzu=100

