erkennen,  der  in  Frankreich  residierte,  und  so  kam  es
außer  der  Wahl  eines  französischen  auch  noch  zur  Wahl
eines  sozusagen  europäischen  Papstes,  und  ganz  Europa
teilte  sich  in  verschiedene  Obedienzen.  Man  kann  sagen,
daß  die  Weltherrschaft  des  Papstes,  welche  in  der  Ein&gt;
heit  beruht,  sich  in  sich  selbst  auflöste  nicht  durch  den
fortwährenden  Streit  zwischen  Geistlichkeit  und  Welt:
lichkeit,  sondern  durch  den  infolge  des  Schisma  hervor:
gerufenen  Gegensatz  der  verschiedenen  Nationalitäten.

Überhaupt  entstand  nun  eine  allgemeine  Auflösung,
und  diese  Jahrhunderte  sind  dadurch  merkwürdig,  daß
es  keinen  festen  politischen  oder  geistlichen  Körper  mehr
gibt.  Es  ist  zwar  richtig,  daß  nun  die  Nationalitäten  mehr
zur  Geltung  kamen,  und  daß  man  Verfassungen  machte,
aber  weder  die  einen  noch  die  anderen  konnten  fürs
erste  recht  zusammenhalten.

Dadurch,  daß  die  Päpste  die  Kaiser  dahin  gebracht
haben,  auf  Italien  Verzicht  zu  leisten,  haben  sie  aller:
dings  viel  dazu  beigetragen,  die  Nationalitäten  voneinander
  zu  sondern,  allein  vollständig  ist  diese  Absonderung
  jetzt  noch  nicht  zustande  gekommen.  Im  Jahre  1340
erhoben  sich  die  englischen  Könige  und  machten  Anspruch
  auf  Frankreich;  dort  behauptete  man  aber,  daß  das
Königtum  nur  im  Mannesstamm  forterbe,  und  infolge:
dessen  kam  das  Haus  Valois  auf  den  Ihron.  Dies  war
die  Veranlassung  zu  langwierigen  Kriegen  zwischen  England
  und  Frankreich,  in  deren  Folge  beide  Nationen  einander
  schwächten.  So  wenig  das  Papsttum  seine  Einheit
oder  das  Kaisertum  seine  Autorität  zu  behaupten  ver:
mochte,  so  wenig  konnten  sich  die  Nationen  als  solche
alsbald  zu  einer  bedeutenden  Macht  entwickeln.

In  diesen  Zeiten  fing  man,  wie  erwähnt,  an,  den  ver
schiedenen  Staaten  mehr  zusammenhaltende  Verfassungen
  zu  geben.  Dieser  Gedanke  war  sehr  natürlich.  Das
Bedürfnis,  das  sich  geltend  machte,  beruht  darauf,  daß
bisher  unter  dem  Papsttum  die  Geistlichkeit  der  einzel:
nen  Länder,  welche  sehr  mächtig  und  durchgreifend  war,

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