Widerstand  zu  leisten?  Alle  die  bestehenden  Gewalten
waren  so  schwach,  daß  keine  die  Fähigkeit  hatte,  sich
selbst  zu  verteidigen.  Man  ließ  also  die  Türken  Herren
in  Konstantinopel  werden,  da  alle  Versuche  zu  einer
Vereinigung  der  griechischen  und  lateinischen  Christenheit
  gescheitert  waren  und  die  Griechen  sich  öfters  dahin
  äußerten,  sie  wollten  lieber  den  türkischen  Turban
tragen  als  den  lateinischen  Hut.  Die  Osmanen  unterwarfen
  sich  Serbien,  und  in  Ungarn  gelang  es  nur  manchmal
  einigen  ausgezeichneten  Anführern,  wie  Hunyad
und  Matthias  Corvinus,  auf  einige  Zeit  den  Andrang
der  Feinde  zu  brechen.

Diese  Ereignisse  hatten  aber  auch  wieder  einen  anderen
  für  die  Entwicklung  des  Abendlandes  höchst  wichtigen
  Erfolg.  Nachdem  Konstantinopelerobert  war,  zogen
sich  jene  Griechen,  welche  es  mit  der  lateinischen  Kirche
hielten,  nach  Italien  zurück  und  brachten  neue  Lebens»
elemente  in  die  lateinische,  abendländische  Kultur.  Seit
dem  15.  Jahrhundert  fing  man  an,  sich  mehr  dem  Stu:
dium  der  Alten  zuzuwenden,  weil  die  Kirche  in  dog»
matischer  Hinsicht  zu  strenge  war.  Dadurch  gewann  die
von  der  Kirche  abweichende  Gesinnung  einen  großen
Impuls.  Die  Künste  bekamen  im  14.  und  15.  Jahrhundert
schon  einen  Anhauch  vom  Altertum,  sie  gingen  über
die  hierarchischen  Momente  hinaus.  Um  die  Mitte  des
15.  Jahrhunderts  wurde  ferner  die  Buchdruckerkunst
erfunden,  welche  der  einseitigen  Herrschaft  über  die
Gelehrsamkeit,  die  bisher  die  geistlichen  Korporationen
  ausgeübt  hatten,  ein  Ende  machte  und  den  Geist
in  einer  höheren  Idee  zentralisierte.  Eine  ähnlich  zentralisierende
  Wirkung  hatte  auch  die  Erfindung  des
Geschützes,  die  in  diesen  Zeitraum  fällt.  Hierdurch  vor:
nehmlich  ward  die  Unabhängigkeit  der  Burgherren
nach  und  nach  gebrochen  und  dem  Gedanken  einer
fürstlichen  Staatsordnung  Raum  gemacht;  alles  Wirkungen,
  welche  über  die  Grenzen  dieser  Epoche  hinaus»
deuten.

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