Das  14.  und  15.  Jahrhundert  sind  deshalb  von  so  unendlicher
  Wichtigkeit,  weil  die  Momente,  welche  die
vorausgegangene  Zeit  beherrscht  hatten,  in  der  Auflösung
  begriffen  waren.  Das  hierarchische  Prinzip  fängt
schon  an,  seine  Unfähigkeit  zum  Herrschen  zu  zeigen;
auch  die  höhere  menschliche  Gewalt  vermag  die  unter:
geordneten  Elemente  nicht  mehr  zu  zügeln;  die  Autonomie
  tritt  an  jedem  Punkte  hervor.  Das  aber  gibt  zugleich
den  Menschen  ein  großes  Gefühl  persönlicher  Selbständigkeit,
  und  dieses  bewirkt  dann  wieder,  daß  die  Künste
und  namentlich  die  Erfindungen  in  diesen  Jahrhunderten
ungemeine  Fortschritte  machen.  In  keiner  Epoche  trifft
man  eine  so  universale  Regsamkeit  in  allen  Zweigen  des
menschlichen  Wissens,  einen  so  unaufhörlichen  Forts
schritt  in  den  Erfindungen  der  Gewerbe  und  der  Handelstätigkeit
  im  kleinen,  wie  in  dieser;  wenn  man  gleich
dies  Zeitalter  nicht  das  Zeitalter  einer  ausgebildeten,
glänzenden  Literatur  nennen  kann.  Von  hoher  Bedeu:
tung  ferner  ist  es,  daß  der  nicht  mehr  durch  die  großen
geistlichen  Universitäten  gefesselte  Geist  sich  am  Ende
in  eigenen  Bahnen  versucht,  und  daß  zuletzt  auch  die
weltlichen  Bildungen  wieder  zu  einer  gewissen  Selbständigkeit
  gelangen,  wie  wir  dies  z.B.  in  Italien  sehen,  wo
die  Republiken  unter  Oberhäuptern,  wenn  auch  nichtin
republikanischer,  so  doch  in  monarchischer  Form,  einiges
Ansehen  und  eine  gewisse  Macht  erlangten  und  Zentren
bildeten,  von  wo  aus  neue  Strahlen  der  Kultur  hervor:
gingen!).  An  die  Summe  dieser  Bestrebungen  knüpft
sich  nun  die  Entstehung  einer  neuen  Zeit.

!)  Jene  Flüchtlinge  aus  Konstantinopel  fanden  Aufnahme
und  Unterstützung  bei  den  Päpsten,  bei  den  Königen  von
Neapel  und  bei  den  Dynasten  Mittele  und  Oberitaliens  (so  den
Medici).

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