Auch  in  Spanien  waren  untereinander  streitende  Herrschaften
  vorhanden  gewesen;  Aragon,  Kastilien,  auseiner
Menge  kleiner  Königreiche  zusammengesetzt,  waren  in
tiefem  inneren  Verfall,  so  daß  einmal  die  Großen  des
Reiches  den  König  absetzten.  Aber  die  tatkräftige  Isabella,
  die  Schwester  Heinrichs  IV.  von  Kastilien,  ver:
stand  es,  Ordnung  zu  machen,  und  vermählte  sich  dem
kräftigen  König  Ferdinand  dem  Katholischen  von  Aragonien,
  so  daß  diese  beiden  mächtigen  Reiche  in  ein
ganzes  zusammenwuchsen.  Hierdurch  gelang  es  auch,
Granada  zu  erobern  und  den  Mauren  zu  entreißen,  ein
Umstand,  welcher  wieder  vorteilhaft  auf  die  großen  Entdeckungen
  zurückwirkte.

So  bildeten  sich  die  drei  Länder  England,  Frankreich
und  Spanien  zu  konsolidierten  Mächten  aus.  Fragt  man
nun,  in  welches  Verhältnis  dieselben  zur  päpstlichen
Gewalt  traten,  so  kann  man  darauf  nicht  geradezu  antworten,
  daß  ihr  Emporkommen  dem  Papste  sehr  gefährlich
  war.  Allerdings  war  die  Entstehung  selbständiger
Mächte  ein  Verlust  für  den,  welcher  die  Universalherr:
schaft  anstrebte;  aber  ein  unbedingter  Verlust  für  den
Papstwardeshalbnichtdamitverknüpft,weildiese  Könige
sich  an  das  Papsttum  anschlossen.  Frankreich  erhielt  sich
zwar  noch  bei  den  Vorrechten  der  pragmatischen  Sanktion,
  aber  in  Spanien  war  das  geistliche  Prinzip  mit  den
Prinzipien  der  weltlichen  Regierung  derart  verschmolzen,
daß}  sie  nicht  von  einander  getrennt  werden  konnten.  Die
geistlichen  Ritterorden  wurden  mit  dem  Willen  des
Papstes  mit  der  Krone  vereinigt  und  von  den  Päpsten
wurden  den  Königen  unaufhörlich  geistliche  Einkünfte,
namentlich  die  Zehenten  überlassen,  so  daß  das  König&gt;
tum  nicht  imstande  war,  Opposition  gegen  das  Papsttum
zu  machen.

3.  Ein  drittes  Moment,  welches  das  neue  Jahrhundert
in  Bewegung  setzte  und  noch  heutzutage  fortwirkt,  ist
der  Gegensatz  der  europäischen  Mächte  in  ihren  aus:
wärtigen  Angelegenheiten.  Hierbei  kam  es  in  folgender

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