Weise  zu  einer  Bildung  von  gewissermaßen  zwei  Par:
teien.

Das  am  meisten  von  allen  dezentralisierte  Land  war
ohne  Zweifel  Italien.  Die  Territorien  in  Deutschland
waren  zwarnochkleinerals  die  italienischen,  allein  erstere
erkannten  doch  noch  den  Kaiser  über  sich  an  und  hatten
noch  eine  gewisse  Ehrfurcht  vor  ihm;  auch  das  jedoch
war  in  Italien  nicht  mehr  der  Fall,  und  die  dortigen  Staaten
waren,  obgleich  nach  innen  hoch  entwickelt,  doch  nach
außen  sehr  schwach.  Es  bildete  sich  nun  daselbst  ein
kleines  Staatensystem  in  sich  aus,  dessen  Hauptpunkte
Neapel,  Florenz  (unter  der  mediceischen  Herrschaft  eine
Zentralstätte  der  Kultur),  Mailand  (unter  den  Sforzas),
Venedig  und  der  Papst  waren.  Diese  waren  immer  einander
  entgegengesetzt  und  gaben  dadurch  Veranlassung,
daß  andere  große  Mächte  in  ihre  Zwistigkeiten  eingriffen.
Frankreich  behauptete,  von  seiten  des  Hauses  Anjou  An»
sprüche  an  Neapel  zu  haben,  und  es  gelang  auch,  dieselben
  durchzusetzen.  Allein  dem  opponierte  sich  der
König  von  Spanien,  Ferdinand  der  Katholische;  er  nahm
Neapel  ein,  so  daß  sich  die  Franzosen  bloß  in  Oberitalien
festsetzen  konnten,  wo  sie  ebenfalls  ein  Erbrecht  zu  haben
behaupteten.  Der  Erfolg  war,  daß  die  Spanier  die  Oberhand
  behielten,  was  nicht  geschehen  wäre,  wenn  nicht
eine  andere  große  europäische  Kombination  eingetreten
wäre.

Karl  der  Kühne,  Herzog  von  Burgund,  war  besiegt
und  getötet  worden  durch  eine  Verbindung  Ludwigs  XI.
und  der  Schweizer.  Burgund  selbst  ging  nun  zwar  an
Frankreich  über,  nicht  aber  die  niederländischen  Herrschaften
  Flandern,  Brabant,  Holland  usw.,  welche  eigene
Provinzen  bildeten  und  nach  Karls  des  Kühnen  Tode  an
seine  Tochter  Maria  fielen.  Diese  war  mit  Maximilian  1.
von  Österreich  vermählt,  der  in  Österreich  selbst  zwar
eine  sehr  geringe  Figur  spielte,  aber  es  dahin  brachte,  daß
ervon  den  deutschen  Fürsten  zum  Könige  gewählt  wurde.
Er  erlangte  dadurch,  daß  er  sich  mit  der  niederländischen

8  Ranke,  Die  Epochen  der  neueren  Geschichte.  Nr.  290—292  113