Streitigkeiten  entspann  sich  zwischen  dem  Kurfürsten
Friedrich  von  Sachsen  und  dem  Erzbischof  von  Magdes
burg,  welcher  das  Recht  hatte,  in  den  kursächsischen
Ländern  den  Ablaß  predigen  zu  lassen.  Der  Kurfürst
empfand  es  mit  Mißvergnügen,  daß  das  Geld  seiner
Untertanen  nach  Magdeburg  wanderte.  Und  in  diesem
Moment  nun  trifft  die  Entstehung  derjenigen  Opposition
in  Europa  gegen  den  Papst,  welche  sich  behauptet  hat.
Es  war  wohl  die  merkwürdigste  und  vielleicht  tollste
Koinzidenz  der  weltlichen  Interessen  des  Papstes  und
seiner  geistlichen  Ansprüche,  daß  er  den  Ablaß  zu  einer
geistlichen  Auflage  machte.  Offenbar  war  diese  Verwens
dung  geistlicher  Gaben  zu  weltlichen  Zwecken  ein  großer
Mißbrauch;  einzelne  Fürsten  hoben  die  päpstlichen  Exekutoren
  auf  und  nahmen  ihnen  das  gesammelte  Geld  ab.

Der  Kaiser  und  seine  Partei  assoziierten  sich  nichtsdestoweniger
  mit  den  Bestrebungen  des  Papstes.  Da  setzte
sich  Luther,  ein  Predigermönch  aus  dem  Augustinerorden,
dem  Ablaßmißbrauch  entgegen.  Die  Hauptsache  bei  ihm
war  der  vollkommen  geistliche  Impuls.  In  ihm  vereinigten
sich  die  merkwürdigsten  Eigenschaften:  die  Hartnäckigkeit
  des  thüringischen  Bauern,  der  Tiefsinn  des  germanischen
  Mystikers,  die  Kapazität  eines  großen  Professors,
eine  Festigkeit  ohnegleichen  und  eine  Klugheit,  wie  sie
vielleicht  in  Deutschland  nicht  wieder  vorkam.  Dieser
unbedeutende  Mönch,  Professor  an  der  kleinsten  Uni:
versität  der  Welt,  Untertan  eines  der  kleinsten  Fürsten
von  Deutschland,  wagte  es,  begünstigtvonseinem  Fürsten,
sich  dem  Kaiser  und  Papst  entgegenzusetzen.  Dies  erregte
  das  größte  Aufsehen,  denn  sein  Angriff  traf  das
Herz  des  Papsttums.  Doch  hätte  man  die  Sache  noch  beschwichtigen
  können,  wenn  man  es  zu  Rom  klüger  angefangen
  hätte.  Das  geschah  aber  nicht.  Luther  ward  in
den  Bann  getan  und  später  von  Kaiser  und  Reich  in  die
Reichsacht  erklärt.

Damit  aber,  daßsowohl  die  geistliche  als  die  weltliche
Gewalt  sich  gegen  ihn  erklärten,  war  die  ungeheure  Auf

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