und  Protestantismus  koinzidierten,  war  die  Abfassung
der  Augsburgischen  Konfession,  in  welchersichdiebeiden
Parteien  so  nahe  kamen,  wie  niemals  später  wieder;  nur
in  bezug  auf  die  Eucharistie  war  man  verschiedener  Meinung.
  Ja,  Papst  Clemens  VII.  war  im  Jahre  1532  sogar
sehr  geneigt,  die  Augsburgische  Konfession  anzunehmen;
erlegtesiedenrömischen  Theologen  vor,  welcheerklärten,
einiges  darin  sei  richtig,  anderes  sei  zu  vereinbaren,  wies
der  anderes  stünde  zwar  im  Widerspruch  mit  der  katho:
lischen  Doktrin,  abereslassesich  darüber  reden.  In  dieser
ursprünglichen  Aufstellung  lag  also  nicht  die  absolute
Notwendigkeit  eines  Zwistes.  Ich  will  nun  gerade  nicht
behaupten,  daß  die  Forderungen  der  Protestanten  vollkommen
  gewesen  wären;  allein  die  Sache  selbst,  nämlich
die  Aufstellung  eines  entgegengesetzten  Dogmas  und
einer  entgegengesetzten,  tief  christlichen  religiösen  Über:
zeugung  war  höchst  notwendig,  und  sie  wurde  auch  so
gemäßigt  und  vernünftig  vorgetragen,  daß  von  dieser
Zeit  an  nichts  mehr  so  plausibel  und  dem  Katholizismus
so  nahestehend  war,  wie  die  Augsburgische  Konfession.

Luthers  Lehre  war  also,  in  Kürze  resümiert:  1.  ein
Widerspruch  gegen  das  hierarchische  System;  2.  ein
Widerspruch  gegen  alle  in  den  letzten  Jahrhunderten
entwickelten  Formen  und  Dienste,  welche  nach  Luthers
Meinung  der  Heiligen  Schrift  widersprachen.

Es  war  ein  ungeheures  Ereignis,  daß  diese  Lehre  nicht
allein  aufgestellt  wurde,  sondern  auch  mit  dem  Prinzipe
der  Staaten  in  Deutschland  gleich  in  ihrem  Entstehen  sich
so  verschmolzen  hat,  daß  eine  Trennung  nicht  mehr  möglich
  war.  Sie  setzte  sich  gleich  anfangs  den  Mönchsgelübden
  entgegen;  die  kleineren  Klöster  wurden  einge»
zogen,  und  die  deutschen  Territorialfürsten  erhielten  eine
gewisse  Kraft,  indem  sie  sich  mit  der  neuen  Lehre  vers
einigten,

Eine  Ausartung  der  lutherischen  Lehre,  der  weltlichen
Gewalt  feindlich,  war  die  Wiedertäuferei.  Dieser  aber
opponierte  sich  Luther  auf  das  kräftigste  und  infolge»

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