dessen  beruhte  gewissermaßen  der  Staat  auf  ihm;  denn
bisher  war  noch  kein  Gelehrter  erschienen,  der  den  Be
griff  der  Obrigkeit  so  scharf  und  so  frei  von  jedem  geist
lichen  Beisatz  aufgefaßt  hat,  wie  Luther.  Dadurch  gab  er
für  die  weltliche  Entwicklung  eine  neue  Grundlage.
Den  ersten  großen  Kampf  hatte  die  neue  Lehre  zu  bestehen
  mit  dem  größten  und  geistvollsten  Fürsten  der
damaligen  Zeit,  nämlich  mit  Kaiser  Karl  V.,  der  übrigens
auch  den  Gedanken  hatte,  von  seiten  des  Staates  aus  zu
reformieren  und  mit  Hilfe  der  Protestanten  das  Kaisertum
  zu  restaurieren;  aber  weil  der  Protestantismus  das
ständische  Prinzip  repräsentierte,  so  geriet  Karl  mit  den
Fürsten  Deutschlands  in  Streit,  und  es  kam  zum  Kampfe
zwischen  beiden,  in  welchem  er  zuletzt  beinahe  gefangen
genommen  worden  wäre.  Der  Gedanke  des  Kaisers  ging
auf  die  Herstellung  eines  universalen  kirchlichen  Kaisertums,
  allein  dazu  war  er  nicht  stark  genug.  Die  neue
Lehre,  welche  diesem  Plane  abhold  war,  hatte  bereits
zu  tiefe  Wurzeln  gefaßt  und  eine  zu  starke  Repräsentation,
  namentlich  in  Norddeutschland  gefunden,  als  daß
Karl  der  Bewegung  hätte  Meister  werden  können.
Dadurch,  daß  Karl  V.  Indien  beherrschte  und  dessen
Gold  und  Silber  ihm  zu  Diensten  war,  vermochte  er  zwar
vieles,  allein  er  hatte  auch  einen  mächtigen  Widersacher
an  dem  König  Franz  I.  von  Frankreich  und  dessen  Nachfolger
  Heinrich  II.  Diese  wollten  nicht,  daß  der  Kaiser
Herr  in  Deutschland  werde.  Ebensowenig  wollte  das  der
Papst,  denn  dem  graute  vor  einer  Kombination  der  kaiserlichen
  und  kirchlichen  Idee;  ja  der  eifrige  Papst  Paul  III.,
der  das  Konzilium  von  Trient  vereinigte,  war  dafür,  daß
die  Protestanten  vom  Kaiser  Karl  nicht  unterdrückt
würden;  ebenso  Papst  Julius  III.  Alle  diese  Elemente
wirkten  zusammen,  um  dem  Protestantismns  einen  festeren
Halt  zu  geben.  Karl  V.  mußte  aus  Deutschland  weichen
und  sein  Bruder  Ferdinand  bequemte  sich  dazu,  mit

den  protestantischen  Ständen  einen  Religionsfrieden  zu
schließen  (1555).  Dieser  hatte  den  Sinn,  daß  nunmehr

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