der  Protestantismus,  wie  er  war,  als  Glied  des  deutschen
Reiches  aufgenommen  wurde  und  die  protestantischen
Fürsten  mit  denselben  Rechten  in  das  Reich  eintraten  wie
die  katholischen.

So  kam  es,  daß  gegen  Ende  des  16.  Jahrhunderts  uns
gefähr  neun  Zehnteile  von  Deutschland  protestantisch
waren,  und  der  Protestantismus  selbst  in  Bayern  und
Österreich  Eingang  fand.  In  Österreich  war  Maximilian  II.,
einer  der  größten  neueren  deutschen  Kaiser,  ein  Mann
von  scharfem  Verstand  und  großer  Milde,  im  Herzen
protestantisch  gesinnt,  und  die  österreichischen  Erblande
waren  total  protestantisch.  Selbst  in  den  Gebieten  der
geistlichen  Fürsten  waren  bei  weitem  die  meisten  dem
lutherischen  Bekenntnis  zugetan.  Der  Adel  hielt  aber
noch  fest  am  Katholizismus,  denn  er  war  im  Besitz  der
Kapitel  und  Stifter.  —

Nun  ergriff  das  protestantische  Element  auch  die
übrigen  Länder.  Dänemark  und  Schweden  wurden  volls
kommen  protestantisch;  das  deutsche  Ordensland  Preußen
war  merkwürdigerweise  eines  derersten,  welchezurneuen
Lehre  übertraten,  auch  in  Polen  und  Ungarn  gewann  das
Luthertum  Boden.  Mittlerweilewarnoch  einezweite  Form
des  Protestantismus  emporgekommen,  nämlich  der  Calvinismus,
  welcher  von  der  Tradition  viel  mehr  abweicht
als  das  Luthertum,  und  auch  mehr  republikanische  Prinzipien
  in  sich  aufnahm,  da  in  Genf  sein  Hauptsitz  war;
er  hatte  die  Absicht,  ein  den  ersten  Jahrhunderten  unserer
Ära  entsprechendes  Christentum  zu  gründen.  Diese  französische
  Form  des  Protestantismus  breitete  sich  insbe»
sondere  in  den  Niederlanden,  in  England  und  Frankreich
  aus.

In  England  wuchs  die  neue  Lehre  ganz  zusammen  mit
der  Idee  des  Royalismus  und  des  Staates.  Der  Calvinismus
  trat  dann  als  ein  Moment  des  Dogmas  ein,  und  gab
dem  in  England  bereits  durchgegangenen  kirchlichen
Schisma  einen  gewissen  Halt.  In  Schottland  drang  der
Calvinismus  mit  seinen  republikanischen  Sympathien  am

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