meisten  vor,  und  auch  in  Frankreich  bildeten  die  Hugenotten
  bald  eine  mächtige  Partei.  Wäre  der  Protestantismus
  in  diesem  letzteren  Lande  Herr  geworden,  so  hätte
er  dieWelt  beherrscht.  Deswegen  sind  die  Kämpfe,  welche
Katharina  von  Medici  und  ihr  Anhang  mit  den  Häuptern
der  Hugenotten  zu  bestehen  hatte,  vonso  hohem  Interesse.
Überdies  war  der  Protestantismus  um  jene  Zeit  auch  in
Italien  und  Spanien  vielfach  verbreitet,  so  daß  nunmehr
die  Frage  aufgeworfen  werden  kann,  ob  es  für  Europa
wünschenswert  gewesen,  wenn  der  Protestantismus  vollkommen
  Herr  geworden  wäre.

Ich  möchte  diese  Frage  nicht  unbedingt  bejahen.  Für
Deutschland  wäre  es  allerdings  das  beste  gewesen,  wenn
eine  einzige  Religion  alle  deutschen  Staaten  umfaßt  hätte,
und  die  Finheit  des  Reiches  erhalten  worden  wäre,  wo:
hin  die  Tendenz  ging.  Das  Merkwürdige  im  16.  Jahrhundert
  war,  daß  die  Protestanten  die  Hierarchie  nicht
abschaffen  wollten,  sondern  dieselbe  in  der  Form  von
weltlichen  Wahlfürstentümern  bestehen  zu  lassen  beab»
sichtigten,  nur  unter  Entziehung  der  geistlichen  Befugnisse.
  Diese  Art  der  Säkularisation  hätte  die  Einheit  des
Reiches  aufrecht  erhalten,  wenn  der  Protestantismus,  wie
in  England,  so  auch  in  Deutschland,  vollständig  durchgedrungen
  wäre.  Dadurch  wäre  der  Dreißigjährige  Krieg
und  unendliches  Blutvergießen  vermieden  worden.

SECHZEHNTER  VORTRAG)

enn  man  fragt,  warum  der  Protestantismus  nicht

\  \  /  zum  vollständigen  Siege  gelangte,  so  ist  zu:
nächst  darauf  zu  erwidern,  daß  schon  in  der
dogmatischen  Aufstellung  desselben  ein  Moment  liegt,

das  dies  unmöglich  machte;  denn  das  Dogma  trennte
sich  sogleich  in  verschiedene  Parteien,  welche  einander

1)  Vom  11.  Oktober  1854.

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