verfassung  in  Frage,  nachdem  durch  den  Religionsfrieden
eine  gewisse  Parität  zwischen  beiden  Konfessionen  in
gesetzlicher  Weise  eingeführt  worden  war.  Dagegen
erhoben  sich  die  Jesuiten  und  erklärten,  daß  der  Religionsfriede
  nicht  binde.  Die  kaiserliche  und  Reichsgewalt
  waren  so  gut  wie  annulliert,  und  die  Stände
suchten  sich  daher  durch  Bündnisse  ihr  Recht  zu
verschaffen  (Union  und  Liga).  Jeden  Augenblick
konnte  man  den  Ausbruch  des  Krieges  in  Deutschland
erwarten.

Der  erste  Anlaß  ergab  sich  in  Böhmen,  wo  Kaiser
Matthias  die  durch  Majestätsbriefe  und  in  anderer  Weise
dokumentierten  Konzessionen  an  die  protestantischen
Stände  wieder  zurücknehmen  wollte.  Die  Böhmen  aber
erinnerten  sich  nun,  daß  sie  vor  nicht  gar  langer  Zeit  noch
ein  unabhängiges  Reich  gebildet  hatten,  und  daß  das
Haus  Österreich  noch  nicht  gar  lange  Zeit  über  sie  herrsche.
  Sie  erklärten,  daß  der  Vertrag  zwischen  ihnen  und
Kaiser  Ferdinand  gebrochen  sei,  und  hielten  sich  für
vollkommen  berechtigt,  einen  anderen  Fürsten  zu  wählen.
  Sie  warfen  ihre  Augen  nebst  den  übrigen  protestantischen
  Fürsten  auf  Friedrich  von  der  Pfalz,  der  mit
einer  Tochter  des  Königs  Jakobs  I.  von  England  vermählt
  war.  Alles  war  in  der  größten  Aufregung,  als  die
Böhmen  die  Krone  Friedrich  anboten.  Nach  längerer
Zögerung  nahm  er  sie  an,  denn  er  glaubte,  es  sei  eine
europäische  große  Kombination,  an  die  er  sich  halten
könne.

Dies  war  aber  nicht  der  Fall;  selbst  die  Protestanten
unterstützten  ihn  nicht  energisch,  und  so  gelang  es  dem
Kurfürsten  Maximilian  I.  von  Bayern,  der  alle  seine  Gedanken
  durchzuführen  wußte,  nach  der  Schlacht  am
Weißen  Berge  den  neugewählten  König  über  den  Haufen
  zu  werfen  und  ihn  zur  Flucht  zu  zwingen.  Darauf
fing  Österreich  an,  aus  allen  Kräften  in  Böhmen  zu  antireformieren,
  und  so  begann  der  Katholizismus  die  Ober:
hand  in  Deutschland  zu  erhalten  und  von  Stunde  zu

9  Ranke,  Die  Epochen  der  neueren  Geschichte.  Nr.  290—292  129