Zwecke.  Doch  ist  es  einleuchtend,  daß  Holland  nicht
auf  die  Dauer  zu  einer  leitenden  Weltrolle  berufen  sein
konnte,  weil  ihm  eine  wesentliche  Bedingung  hierzu,
nämlich  ein  großes  Territorium,  fehlte.

Der  Wechsel  der  allgemeinen  Tendenz  zeigte  sich  also
wie  gesagt  darin,  daß  die  spanische  Monarchie,  so  aus
gebreitet  sie  war,  doch  vor  der  kleinen  Provinz,  die  von
ihr  abgefallen  war,  zurücktreten  mußte.  Alle  Kräfte  Spas
niens,  insbesondere  die  Literatur  in  der  zweiten  Hälfte
des  17.  Jahrhunderts,  hatten  sich  nach  der  theologischen
Seite  hin  bewegt;  als  sie  ihr  Ziel  nicht  erreichten,  hörten
sie  auf,  wirksam  zu  sein.  Holland  dagegen,  welches  die
modernen  Tendenzen  zuerst  in  sich  darstellte,  kam  auf
dem  Schauplatz  der  Welt  zur  größten  Bedeutung.  Schon
aus  dieser  Gegenüberstellung  ersehen  wir  demnach,
daß  eben  andere  Regungen  emporkamen,  welche  dahin
zielten,  die  Macht  in  den  einzelnen  Reichen  auf  der  gegebenen
  historischen  Grundlage  zu  entwickeln.  Und
hier  tritt  denn  zunächst  —  in  der  zweiten  Hälfte  des
17.  Jahrhunderts  —  diejenige  große  Macht  hervor,  welcher
  Spanien  unterlegen  ist,  nämlich  Frankreich.

Frankreich  entwickelte  die  Monarchie  auf  eine  Weise,
wie  es  in  Europa  noch  niemals  dagewesen  war.  Zwar
nahmen  die  Capetinger  bereits  einen  Anlauf  dazu,  aber
erstin  diesem  Jahrhundert  gelangte  die  Macht  des  Königtums
  zu  ihrer  höchsten  Blüte.  Der  Religion  nach  blieb
Frankreich  katholisch;  der  Unterschied  aber  zwischen
dem  französischen  und  spanischen  Katholizismus  ist  der,
daß  Frankreich  nur  nach  innen  katholisch  war  und  auch
da  die  Protestanten  vorderhand  duldete,  während  in
seiner  äußeren  Politik  der  Protestantismus  sogar  vielfach
unterstützt  wurde.  Jene  schon  in  den  früheren  Jahrhunderten
  zur  Erscheinung  gekommene  Idee  des  französischen
  Staates  wurde  nun  während  des  Dreißigjährigen
Krieges  mächtig  realisiert,  dadurch  daß  ein  Mann  an  die
Spitze  des  Staates  kam,  welcher  als  der  vornehmste  Begründer
  der  Monarchie,  wenn  auch  nicht  in  Europa,

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