so  doch  in  Frankreich,  angesehen  werden  kann.  Damals
regierte  Ludwig  XIII.,  ein  Fürst,  dersich  mehr  den  mechanischen
  militärischen  Übungen  hingab,  und  zwar  einen
hohen  Begriff  von  der  ihm  gebührenden  Macht  hatte,
jedoch  nicht  fähig  war,  dieselbe  persönlich  zu  erwerben
und  festzuhalten,  sondern  sie  seinem  ersten  Minister,
dem  Kardinal  Richelieu  überließ.  Richelieu  bildete  die
Idee  des  Königtums  aus,  in  welchem  er  ein  göttliches
Institut  erblickte.  Er  wendete  den  Begriff  ‚von  Gottes
Gnaden‘  mit  einer  gewissen  theologischen  Schärfe  im
weitesten  Umfang  an,  und  alles  was  der  königlichen
Macht  zu  nahetrat  oder  sich  ihr  entgegensetzte,  wurde
vernichtet.

Als  der  Dreißigjährige  Kriegentbrannte,  richtete  Richelieu
  seine  Angriffe,  wie  die  früheren  Könige,  auf  Österreich;
  und  um  dies  mit  Erfolg  bewirken  zu  können,  ver
einigte  er  sich  mit  den  Protestanten  in  Deutschland,  ja
nicht  bloß  mit  diesen,  sondern  auch  mit  den  Engländern.
In  Frankreich  selbst  gelang  es  ihm  hingegen,  den  Protestantismus
  als  politische  Macht  zu  vernichten,  womit  die
Protestanten  der  übrigen  Welt,  auch  in  England  und
Holland,  sich  zufrieden  gaben,  weil,  wenn  das  Königtum
in  Frankreich  nicht  stark  geworden  wäre  —  und  dies  war
nicht  möglich,  solange  die  Hugenotten  noch  ihre  eigenen
  Festungen  im  Lande  hatten  —,  es  ihnen  auch  keine
Hilfe  leisten  konnte.  Hier  sieht  man  den  Wechsel  der
Zeiten,  da  die  Protestanten  aus  politischen  Rücksichten
zugaben,  daß  ihre  Glaubensgenossen  unterdrückt  wur:
den,  weil  die  protestantische  Welt  in  diesem  Augenblick
eines  starken  Frankreichs  gegenüber  der  spanisch-katholischen
  Übermacht  bedurfte.

Richelieuhatte  das  Glück,  welches  alle  großen  Männer
gehabt  haben,  daß  er  durch  eine  Art  unbedingten  Gefühles
  in  einer  bedeutungsvollen  Epoche  diejenigen  Mo&gt;
mente  ergriff,  welche  zur  Durchführung  seines  Planes
notwendig  waren.  Er  war  es  auch,  der  die  französische
Literatur  in  ihrer  charakteristischen  Gestalt  begründete,

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