reich  war  zwar  früher,  zur  Zeit  der  Reformation,  auch
nicht  unbedeutend  gewesen;  aber  das  Kaisertum  war
schwach,  und  die  Erblande  waren  nicht  sicher,  indem  die
Protestanten  dort  eindrangen,  als  das  Haus  Österreich
seine  katholisierenden  Tendenzen  durchführen  wollte.
Es  läßt  sich  zwar  denken,  daß  unter  Maximilian  II.  Öster:
reich  sich  auch  als  ständisch-protestantische  Macht  hätte
entwickeln  können;  da  jedoch  seine  Nachfolger  ent:
schiedenkatholisch  waren,  so  war  der  später  ausbrechende
Kampf  unvermeidlich.  Dadurch  geriet  freilich  Österreich
in  die  größte  Gefahr;  wäre  es  Friedrich  von  der  Pfalz
gelungen,  sich  in  Böhmen  zu  behaupten,  so  wäre  es  um
die  Macht  Österreichs  geschehen  gewesen.  Eben  deshalb
erschien  es  als  wichtigste  Aufgabe,  des  protestantischen
Elements  in  Österreich  Herr  und  Meister  zu  werden.  Dies
gelang  dem  Hause  Habsburgin  derIat;  imDreißigjährigen
Kriege  bekam  es  bereits  die  Erblande  in  seine  volle  Gewalt;
  die  Protestanten  wurden  daraus  verjagt.  Diese
Macht  Österreichs  wurde  dadurch  gesteigert,  daß  es  auch
in  militärischer  Beziehung  große  Kraft  erlangte,  während
anfangs  an  eine  militärische  Wichtigkeit  Österreichs  so
wenig  zu  denken  gewesen  war  wie  an  eine  politische.
Erstere  verdankte  es  hauptsächlich  demWallensteinischen
Heere,  aus  dessen  Elementen  sich  nachher  die  kaiserliche
Armee  bildete.

Fin  weiterer  Grund,  warum  das  Haus  Österreich  zu
höherer  Bedeutung  kam,  waren  die  Übergriffe  und  Kriege
Ludwigs  XIV.,  infolge  deren  sich  die  deutschen  Fürsten
viel  enger  an  Österreich  als  Schutzmacht  gegen  Frank:
reich  anschlossen,  so  daß  das  Kaisertum  in  der  zweiten
Hälfte  des  17.  Jahrhunderts  viel  stärker  wurde  als  früher,
obwohl  es  seine  Haupttendenz,  nämlich  die  katholisierende,
  nicht  durchzusetzen  vermochte.

Zu  alledem  kamen  noch  die  Türkenkriege;  die  Gefahr
von  dieser  Seite  her  war  immer  noch  sehr  bedeutend,  um
so  mehr,  da  die  Ungarn  fortwährend  in  Rebellion  be»
griffen  waren.  Leopold  I.  führte  beständig  Krieg  gegen

160