die  Türken  und  wollte  seine  monarchischen  Ideen  auch
in  Ungarn  geltend  machen,  welches  von  der  Türkei  und
von  Frankreich  gegen  ihn  unterstützt  wurde.  So  kames,
daß  noch  im  Jahre  1683  die  Türken  bis  nach  Österreich
vordringen  konnten,  in  Verbindung  mit  Tököly  und  den
ungarischen  Malkontenten.  Österreich  wäre  beinahe  ver&gt;
loren  gewesen,  wenn  ihm  nicht  die  Deutschen  zu  Hilfe
gekommen  wären.  Nun  aber  bildete  sich  um  Österreich
ein  Bund  gegen  die  Türken,  an  welchem  auch  viele
deutsche  Fürsten,  namentlich  Bayern,  teilnahmen.  Diese
Deutschen  leisteten  im  österreichischen  Heere  am  meisten,
und  so  wurden  nach  und  nach  Ofen,  Pest,  Gran  den
Türken  abgenommen  und  der  Kaiser  über  diese  Barbaren,
seine  Erbfeinde,  und  die  mit  ihnen  verbündeten  Ungarn
Herr.  Auch  die  Polen,  Russen  und  Venezianer  griffen
nun  die  Türkei  an,  so  daß  die  Österreicher  schon  der
Meinung  waren,  in  kurzem  vorKonstantinopel  erscheinen
zu  können.  Dies  gelang  ihnen  zwar.nicht,  allein  im  Carlowitzer
  Frieden  im  Jahre  1699  mußten  die  Türken  Ungarn
aufgeben,  wodurch  die  Monarchie  auch  nach  jener  Richtung
  einen  bedeutenden  Aplomb  erhielt.  Die  Umwands
lung  Ungarns  in  eine  Erbmonarchie  gelang  freilich  dem
Kaiser  nicht,  sondern  er  mußte  den  Ungarn  ihre  Privilegien
  gewährleisten,  damit  sie  gegen  die  Türken  in  den
Krieg  zögen.

Da  brach  der  Spanische  Erbfolgekrieg  aus.  Es  wäre
Österreich  vielleicht  gelungen,  seine  gerechten  Ansprüche
durchzusetzen,  wenn  die  Monarchie  unter  zwei  Häupter
hätte  geteilt  werden  können;  allein  Kaiser  Joseph  I.  starb,
und  Karl  VI.  kam  allein  zur  Regierung.  Immerhin  erwarb
Österreich  aus  der  französischen  Erbschaft  einen  bedeutenden
  Teil,  anfangs  Neapel  und  Sizilien,  dann  Mailand
und  die  früher  spanischen  Niederlande  (1713).  Erst  dadurch
  wurde  Österreichs  Macht  vollkommen  ausgebildet.
Ich  behaupte,  daß  es  für  Österreich  ein  Glück  war,  die
spanische  Monarchie  nicht  ganz  geerbt  zu  haben;  denn
in  diesem  Falle  hätte  es  sich  als  Monarchie  nicht  einheit-11

  Ranke,  Die  Epochen  der  neueren  Geschichte.  Nr.  290—292  161