lich  konstituieren  können.  Auch  der  Verlust  Neapels  und
Siziliens  ist  kein  Schade  für  Österreich  gewesen,  weil
sonst  eine  zu  große  Ausdehnung  der  Tendenzen  statt:
gefunden  hätte.  Dagegen  war  der  Besitz  von  Mailand
für  Österreich  ungemein  wichtig,  weil  es  dem  Zentrum
der  Monarchie  nahe  liegt,  und  die  Beibehaltung  der
Niederlande!)  gab  Österreich  auf  einer  anderen  Seite  ein
Übergewicht  über  die  übrigen  Mächte.

In  dieser  allmählichen  Machtentwicklung  ist  ein  gewisser
  Geist,  der  sich  stets  von  Stufe  zu  Stufe  nach  einem
bestimmten  Prinzip  katholisch  und  monarchisch  fort:
arbeitet,  sowie  die  Begünstigung  des  Glückes  nicht  zu
verkennen.  Österreich  hängt  mit  Deutschland  zusammen,
aber  Deutschland  hat  Österreich  weit  mehr  Dienste  geleistet
  als  umgekehrt.  Wegen  der  Niederlande  lag  Österreich
  allerdings  immer  in  Streit  mit  Frankreich;  da  es  aber
dieses  Land  nicht  mehr  besitzt,  so  fällt  auch  dieser  Zank-=apfel
  hinweg,  und  eine  Allianz  zwischen  beiden  Mächten
ist  jetztmöglicher  als  früher,  da  es  mitFrankreich  nur  mehr
einen  Punkt  zusammenstoßender  Interessen,  nämlich
Italien,  gemein  hat.

Noch  aber  hatte  Österreich  die  ungeheure  Gefahr  des
Österreichischen  Erbfolgekrieges  zu  bestehen.  Es  lief  zwar
gegen  alles  deutsche  Recht,  daß  eine  Prinzessin  erbte;
da  aber  die  Macht  Österreichs  so  stark  war,  so  wollte
man  die  Monarchie  nicht  mehr  auseinandergehen  lassen.
Maria  Theresia  bestieg  den  Thron,  und  auf  das  Haus
Habsburg  folgte,  nachdem  der  Österreichische  Erbtolgekrieg
  glücklich  beendigt  worden  war,  das  weit  unternehmendere
  Haus  Lothringen  ?).

Auf  solche  Weise  entwickelte  sich  jene  ungemeine

!)  Später  wollte  Österreich  die  Niederlande  nicht  mehr  haben,
und  in  dem  Revolutionskriege  war  es  ein  Lieblingsplan  des
Ministers  Thugut,  die  Niederlande  aufzugeben  und  Bayern  dafür
  einzutauschen;  denn  Österreichs  Bestreben  ging  von  jeher
dahin,  sich  zu  arrondieren  und  zu  zentralisieren.

°)  Lothringen  war  indirekt  auch  kein  übler  Erwerb;  denn  dadurch
  wurde  Toskana  als  Sekundogenitur  Österreich  einverleibt.

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