NEUNZEHNTER  VORTRAG)

enn  man  die  oben  geschilderten  Monarchien
\  \  kurz  charakterisieren  wollte,  so  müßte  man
sagen,  daß  sie  zumeist  auf  dem  uralten  historischen
  Grunde  beruhen,  welchen  die  romanisch-germanischen
  Nationen  eingenommen  hatten;  man  müßte  hinzusetzen,
  daß  diese  abendländische  Christenheit  sich  gewissermaßen
  dadurch  ausbreitete,  daß  sie  Rußland  in
ihren  Kreis  zog,  indem  die  Tendenz  der  abendländischen
Völker  eine  ungeheure  Wirkung  auf  die  materielle  Kultur
  hatte.  Da  stand  auf  einer  Seite  im  südlichen  Europa
die  große  bourbonische  Monarchie,  auf  der  anderen
England  als  Beherrscherin  der  Meere;  ihnen  gegenüber
Rußland,  in  der  Mitte  der  alten  Welt,  den  großen  euro:
päischsasiatischen  Kontinent  einnehmend;  alle  diese
Mächte  gewaltig  aufeinanderwirkend  und  sich  gegeneinander
  bewegend.  Das  hatte  nun  natürlich  nicht  bloß
auf  Österreich,  sondern  auch  auf  das  übrige  Deutschland
eine  bedeutende  Rückwirkung.  Dort  war  das  monarchisch-katholische
  Element  eben  in  Österreich  wieder
sehr  stark  geworden;  es  schien,  als  ob  der  Kaiser  wieder
der  mächtigste  Fürst  von  Deutschland  sei.  Da  geschah
es  nun,  daß  dem  österreichischen  Prinzip  gegenüber  das
preußische  erschien.

Ursprünglich  war  Brandenburg,  auf  welches  die  preußische
  Macht  gegründet  worden  ist,  überaus  schwach;
so  schwach,  daß  die  fränkischen  Fürstentümer  Ansbach
und  Bayreuth  für  besser  gehalten  und  Brandenburg  vors
gezogen  wurden,  wenn  die  Fürsten  zu  wählen  hatten.
Wodurch  gelangte  nun  Brandenburg  zuerst  zu  einer  gewissen
  materiellen  Konsistenz  in  sich  selbst?  Hierauf
haben  wir  zu  antworten:  durch  die  Reformation.  Brandenburg
  war  ungemein  zersetzt  durch  eine  Menge  Bistümer
  und  andere  geistliche  Gerechtsame,  welche  durch

1)  Vom  13.  Oktober  1854  abends.
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