von  Preußen,  dem  nachmaligen  Friedrich  II.,  und  einer
englischen  Prinzessin  einerseits  und  derältesten  Schwester
Friedrichs  mit  einem  englischen  Prinzen  andererseits.
Der  König  war  gegen  diese  Verbindung,  weil  er  den
englischen  Einfluß  fürchtete,  und  da  der  Sohn  einige
Bewegungen  nach  dieser  Seite  hin  machte,  ließ  er  ihn
festnehmen,  ja  hätte  ihn  beinah  hinrichten  lassen,  alles
aus  Rücksicht  auf  Österreich.  Nachdem  Friedrich  Wilhelm
  so  viel  für  Österreich  getan  hatte  und  von  seinem
früheren  Bündnis  abgewichen  war,  so  hielt  es  der  Kaiser
doch  für  angemessen,  bei  späteren  Begebenheiten  auf
Preußen  gar  keine  Rücksicht  zu  nehmen;  die  bergische
Angelegenheit  nahm  eine  ganz  andere  Wendung.  Das
erfüllte  den  alten  König  mit  heftigem  Zorn,  namentlich
  gegen  den  Kaiser;  als  er  die  erlittene  Unbill  völlig
durchschaute,  sagte  er,  auf  seinen  Sohn  Friedrich  deu:
tend:  hier  steht  einer,  der  mich  rächen  wird!)

Nun  trafen  zwei  Ereignisse  von  der  größten  Wichtig»
keit  zusammen,  nämlich  der  Tod  Wilhelms,  der  im  Mai,
und  der  Tod  Kaiser  Karls  VI.,  der  im  Oktober  1740
eintrat.  Friedrich  hatte  soeben  seine  Regierung  angetreten
  und  bereits  von  seinen  monarchischen  Gaben
Beweise  geliefert.  Als  er  nun  diese  ungeheure  Armee
vor  sich  sah  und  nicht  wußte,  was  er  damit  anfangen
sollte,  so  eröffnete  ihm  der  Tod  des  Kaisers  eine  will»
kommene  Bahn  für  seine  Tätigkeit.  Die  Sukzession  in
Österreich  war  streitig;  der  Kaiser  hatte  zwar  seine

1)  Obwohl  Friedrich  Wilhelm  mit  dem  Kronprinzen  nicht  in
gutem  Einvernehmen  stand,  so  blieb  es  ihm  doch  nicht  ver
borgen,  daß  in  Friedrich  ein  gewaltiges  Talent  liege;  nur  wollte
er  ihn  absolut  zum  Soldaten  machen,  ließ  ihn  Konduitelisten
schreiben  und  die  geringsten  Dienste  leisten;  auch  wollte  er
ihn  bei  den  religiösen  Lehrbegriffen  erhalten,  die  er  selbst
hatte,  während  Friedrich  der  kalvinistischen  Lehre  in  ihrer
vollen  Strenge  anhing.  Obwohl  der  Prinz  von  seinem  Vater
hart  behandelt  wurde,  so  darf  man  doch  behaupten,  daß}  dies
ein  Glück  für  ihn  war;  denn  sonst  hätte  er  sich  wahrscheinlich

nicht  durch  jene  militärischen  und  andere  Tugenden  ausgezeichnet,
  durch  die  er  nachher  berühmt  wurde.

169