zum  Kriege  gegen  England  zwingen,  und  als  Friedrich
sich  dazu  nicht  verstehen  wollte,  reizte  er  Ludwig  XV.
zum  höchsten  Zorn,  der  ihn  fortan  einen  Rebellen  nannte
und  trotz  seines  schlechten  Lebenswandels  die  Religion
vorschützte,  um  ihn  zu  bekämpfen.  Einen  ähnlichen  Vor:
wand  gebrauchte  Elisabeth  von  Rußland,  die  zugleich
wie  eine  Messalina  lebte.  Maria  Iheresia,  übrigens  fromm
und  brav,  benützte  die  Antipathien  der  katholischen
Geistlichkeit  gegen  Friedrich  zu  ihren  Gunsten,  so  daß
sich  alles  vereinigte,  Friedrich  auf  die  entgegengesetzte
Seite  zu  werfen.

Friedrich  konnte  jedoch  auch  nicht  streng  protestan&gt;
tisch  auftreten,  weil  er  viele  Katholiken  zu  Untertanen
hatte,  und  so  bildete  er  seine  Toleranz  zu  einem  von  den
damals  herrschenden  Begriffen  ziemlich  abweichenden
System  aus,  wobei  er  vom  Christentum  ganz  abstrahierte;
jedoch  glaubte  er  an  einen  Gott  und  leugnete  nicht  die
Unsterblichkeit  der  Seele!).  Er  war  unstreitig  der  größte
Politiker,  den  Preußen  jemals  hatte,  ja  ich  halte  ihn  für
den  größten  Politiker,  den  Deutschland  hervorgebracht
hat,  indem  er  in  der  Mitte  der  Dinge  lebte,  die  Stürme
herankommen  sah  und  immer  die  richtigen  Maßregeln
ergriff.

Da  brach  im  Jahre  1768  der  Krieg  zwischen  Rußland
und  der  Türkei  aus,  wozu  sich  die  gesteigerten  Verwicklungen
  in  Polen  gesellten,  welche  endlich  dazu  führten,
daß  Rußland,  Österreich  und  Preußen  sich  dahin  mit:
einander  vereinigten,  daf}  jede  dieser  Mächte  ein  Stück
von  Polen  in  Besitz  nahm.  Dadurch  bekam  die  preu-Bische
  Monarchie  eine  noch  größere  Bedeutung;  immer
aber  hatte  sie  ihren  Schwerpunkt  im  Osten,  besonders
in  Brandenburg,  und  die  Kriege  Friedrichs  waren  immer
nur  darauf  gerichtet,  diese  seine  Stammprovinzen  zu
behaupten;  das  entlegene  Preußen  ließ  er  sich  im  Siebenjährigen
  Kriege  von  Rußland  wegnehmen,  und  auch  zur

”)  Beim  Tode  seiner  Schwester  rief  er  aus:  „Welches  Glück,
wenn  ich  sie  wiedersehen  werde!“

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