nicht  verstehen  wollte.  Kaum  war  dieser  Minister  mit
seinen  weitreichenden  physiokratischen  Vorschlägen!)
hervorgetreten,  so  stieß  er  auf  die  heftigste  Opposition
bei  den  Notabeln.  Sie  erklärten,  daß  sie  nicht  das  Recht
hätten,  Steuern  zu  bewilligen,  und  so  wurde  Calonne
alsbald  gestürzt.  Sein  Nachfolger  als  Premierminister,  der
Erzbischof  von  Brienne,  machte  zwar  einige  vernünftige
Vorschläge,  die  auch  von  den  Notabeln  zum  Teil  angenommen
  wurden,  allein  dies  geschah  immer  unter  dem
Vorbehalt,  daß  sie  später  dem  Parlament  vorgelegt  wer:
den  würden.

Das  Verfahren,  welches  in  Frankreich  zu  beobachten
war,  war  folgendes:  Wenn  die  Regierung  neue  Finanzedikte
  erließ,  so  mußten  sie  vorher  dem  Parlamente  vor:
gelegt  werden,  um  sie  zu  verifizieren,  und  dann  erst
wurden  die  Steuern  bezahlt.  Das  Parlament  war  aber
prinzipiell  gegen  jede  Veränderung,  und  die  Aristokratie
nahm  mit  Vergnügen  diesen  Zeitpunkt  wahr,  das  Königtum
  zu  beschränken.  Endlich  trat  die  Opposition  mit
der  Erklärung  hervor,  das  Parlament  sei  gar  nicht  befugt,
Steuern  zu  bewilligen,  hierzu  müßten  die  Generalstände
berufen  werden.  Die  Regierung,  die  durch  dieses  Ver:
langen  in  die  größte  Verlegenheit  geriet,  nahm  zu  ver:
schiedenen  Ausflüchten  ihre  Zuflucht;  denn,  wenn  diese
altaristokratischen  Elemente  berufen  wurden,  so  war  das
Königtum  in  jeder  Weise  beschränkt,  und  es  würde  eine
beschränkte  Monarchie  im  alten  Sinne  des  Wortes  zu:
stande  gekommen  sein.  Die  Regierung  erklärte  sich  bereit,
  die  Stände  erst  nach  vier  Jahren  zu  berufen;  aber
daran  war  nicht  zu  denken,  denn  die  Aristokratie  glaubte,

die  Notabeln  hatte  bereits  Richelieu  versammelt,  aber  Calonne
war  eben  kein  Richelieu.

!)  Nach  Calonnes  Vorschlägen  sollten  die  Auflagen  auf  den
Ertrag  des  Landes  gegründet  und  alle  Jahre  im  Frühling  Leute
auf  das  Land  geschickt  werden,  um  die  Aussaat  und  demnach
auch  den  Ertrag  der  Ernte  zu  bemessen.  Dieses  war  eine  Konsequenz
  des  physiokratischen  Systems,  welchem  schon  Quesnay
anhing,  den  Ludwig  XV.  seinen  Penseur  nannte.

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