jetzt  oder  nimmer  sei  die  Zeit  gekommen,  um  sich  neben
der  Regierung  aufzustellen.

Wenn  man  nun  die  alten  Stände  nicht  haben  wollte,
wie  konnte  man  überhaupt  die  Stände  berufen?  Die
Stände  bestanden  aus  Adel,  Geistlichkeit  und  Bürgern.
An  der  Geistlichkeit  läßt  sich  nichts  ändern,  am  Adel
ebensowenig;  also  meinte  die  Regierung,  sie  müsse  dem
dritten  Stande  eine  stärkere  Repräsentation  geben  als
früher,  und  müsse  ihn  so  stark  machen,  wie  die  beiden
anderen  zusammengenommen;  denn  nur  dadurch  könnte
sie  sich  der  beiden  anderen  Stände  erwehren.  Dies  war
aber  auf  der  anderen  Seite  höchst  gefährlich,  denn  im
dritten  Stande  hatte  die  republikanische  Idee  Wurzel  gefaßt.
  Die  Bürger  waren  voll  von  Unwillen  gegen  die
beiden  anderen  Stände,  und  so  kam  die  größte  Gärung
zum  Vorschein.

Der  Minister  Necker  ließ  nun  bekanntmachen,  daß
im  nächsten  Mai  1789  die  Stände  zusammentreten  sollten,
wobei  der  dritte  Stand  so  viele  Mitglieder  haben  würde
wie  die  beiden  anderen  Stände  zusammen  (doublement
du  Tiers).  Die  Regierung  verbündete  sich  also  gewisser
maßen  mit  den  neuen  amerikanischen  Ideen,  so  daß
Necker  selbst  darüber  erschrak.  Aber  nicht  genug;  das
Publikum  wurde  öffentlich  von  der  Regierung  aufgefordert,
  seine  Ansichten  darüber  auszusprechen,  wie  die
Verfassung  Frankreichs  am  besten  geordnet  werden
könne.  Diese  Maßregel  trug  vollends  das  ihrige  dazu  bei,
das  Land  in  die  größte  Agitation  zu  versetzen!).  Unter
diesen  Verhältnissen  kamen  die  Stände  im  Jahre  1789
zusammen,  ohne  daß  man  wußte,  was  daraus  werden  und
wie  in  dieser  Versammlung  die  Abstimmung  erfolgen
sollte:  ob  nach  Köpfen  —  par  töte  —,  in  welchem  Fall  der
dritte  Stand  die  Oberhand  gehabt  hätte,  oder  nach  Stän-!)

  Der  Abbe  Sieyes  antwortet  in  seiner  Broschüre:  Qu’est
ce  que  le  tiers-£tat?  auf  die  Frage,  was  das  Bürgertum  sein  wolle:
quelque  chose;  aber  freilich  wollte  später  der  dritte  Stand  nicht
bloß  etwas  sein,  sondern  alles.

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