angesichts  der  Alpen  und  eines  so  dankbaren,  empfänglichen
  und  hochgeborenen  Schülers.

Wir  danken  der  Verehrung  des  Königs  für  Ranke  auch
die  sorgfältige  Niederschrift  der  Vorträge,  nach  der  dann
Alfred  Dove  sie  zur  Ergänzung  der  Weltgeschichte  seines
Meisters  herausgegeben  hat.  Was  Ranke  damals  gab,
war  ein  Erzeugnis  des  Augenblicks  und  der  Improvisation;
  es  war  eine  „Rhapsodie‘‘  der  Weltgeschichte,  die
aber  gerade  wegen  ihrer  größeren  Unmittelbarkeit  und
Aufgeschlossenheit  tiefer  und  leichter  ins  Innere  des
Rankeschen  Denkens  blicken  läßt  als  andere,  wohlvor:
bereitete  und  erwogene  Werke.

Rankes  Stellung  in  der  Geschichte  des  menschlichen
Geistes  ist  die,  daß  er  von  einer  philosophischen,  aprioristischen
  Betrachtung  des  historischen  Ablaufs  zu  einer
empirischen  und  doch  allgemein  gerichteten  überleitet.
Seine  früheren  Jahre  überschattete  der  gewaltige  Einfluß
G.W.F.  Hegels  und  seiner  Schule.  Auch  in  diesen  Vor:
trägen  nimmt  er  gegen  ihn  Stellung.  Für  ihn  war  die
Weltgeschichte  nicht  der  Ablauf  eines  logischen  Prozesses.
  Eine  Konstruktion  des  Lebens  nach  den  Gesetzen
logischer  Kategorien  blieb  immer  ein  Zwang  oder  ein
Spiel,  wenn  auch  hervorgegangen  aus  dem  legitimen
Drang  nach  allgemeiner  Erkenntnis.  Ihm  war  die  Wirkıichkeitder
  Geschichte  so  weitaufgegangen,  daß  er  wußte:
dieWelt  wird  vonVölkern  und  nicht  von  Begrifien  regiert.

Auch  sein  Ziel  war  ein  letztes  und  höchstes;  er  woilte
den  Menschen  kennenlernen,  so  wie  er  sich  in  der
Geschichte  auswirkt,  die  Taten  und  Leiden  dieses  Wesens
beschreiben,  „das  immer  das  alte  war  und  immer  ein  ans
deres,  dasso  gut  und  so  bös,  so  edelgeistig  und  so  tierisch,
so  gebildet  und  so  roh,  so  sehr  auf  das  Ewige  gerichtet
und  dem  Augenblick  unterworfen,  das  so  glücklich  und
so  unselig,  mit  wenigem  befriedigt  und  voll  Begier  nach
allem‘.  Wer  bei  der  Betrachtung  der  wundersamen  ‚Mär
der  Weltgeschichte‘  trotz  aller  Freude  am  einzelnen
Leben  den  Blick  aufs  Ganze  nicht  verlor,  dem  offenbarte

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