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Maße  die  Wahrscheinlichkeit  für  sich  hatte,  eine  mächtige  nationale  Einheit  sich  zu  erhalten,
wie  gerade  Deutschland.  Blicken  Sie  im  Mittelalter  von  dem  Russischen  Reiche  der
Rurikschen  Fürsten  bis  zu  den  Westgothischen  und  Arabischen  Gebieten  in  Spanien,  so
werden  Sie  finden,  daß  Deutschland  vor  Allen  die  größte  Aussicht  hatte,  ein  einiges  Reich
zu  bleiben.  Was  ist  der  Grund,  der  uns  die  Einheit  verlieren  ließ,  und  uns  bis  jetzt  verhiudert
  hat,  sie  wieder  zu  gewinnen?  Wenn  ich  es  mit  einem  kurzen  Worte  sagen  soll,  so
ist  es,  wie  mir  scheint,  ein  gewisser  Ueberschuß  an  dem  Gefühle  männlicher  Selbstständigkeit,
  welche  in  Deutschland  den  Einzelnen,  die  Gemeinde,  den  Stamm  veranlaßt,  sich  mehr
auf  die  eigenen  Kräfte  zu  verlassen,  als  auf  die  der  Gesammtheit.  Es  ist  der  Mangel
jener  Gefügigkeit  des  Einzelnen  und  des  Stammes  zu  Gunsten  des  Gemeinwesens,  jener
Gefügigkeit,  welche  unsere  Nachbarvölker  in  den  Stand  gesetzt  hat,  die  Wohlthaten,  die
wir  erstreben,  sich  schon  früher  zu  sichern.  —  Die  Regierungen,  m.  H.,  haben  Ihnen,
glaube  ich,  im  jetzigen  Falle  ein  gutes  Beispiel  gegeben.  Es  war  keine  unter  ihnen,  die
nicht  erhebliche  Bedenken,  mehr  oder  weniger  berechtigte  Wünsche  dem  bisher  erreichten
Ziele  hat  opfern  müssen.  Liefern  auch  wir  den  Beweis,  m.  H.,  daß  Deutschland  in  einer
600  jährigen  Leidensgeschichte  Erfahrungen  gemacht  hat,  die  es  beherzigt;  daß  wir  —
und  Alle,  die  wir  hier  sind,  wir  haben  es  selbst  erlebt,  —  die  Lehren  zu  Herzen  genommen
haben,  die  wir  aus  den  verfehlten  Versuchen  von  Frankfurt  und  Erfurt  ziehen  mußten.
Das  Mißlingen  des  damaligen  Werkes  hat  in  Deutschland  einen  Zustand  der  Unsicherheit,
der  Unzufriedenheit  herbeigeführt,  der  16  Jahre  lang  gedauert  hat,  und  der  schließlich
durch  eine  Katastrophe  wie  die  des  vorigen  Jahres,  nach  irgend  einer  Seite  hin,  wie  es
Gott  gefiel,  seinen  Abschluß  finden  mußte.  Das  Deutsche  Volk,  m.  H.,  hat  ein  Recht,
von  uns  zu  erwarten,  daß  wir  der  Wiederkehr  einer  solchen  Katastrophe  vorbeugen,  und
ich  bin  überzeugt,  daß  Sie  mit  den  verbündeten  Regierungen  nichts  mehr  am  Herzen  liegen
haben,  als  diese  gerechten  Erwartungen  des  Deutschen  Volkes  zu  erfüllen.

Rede  bei  der  Generaldiseussion  über  den  Verfassungsentwurf
in  der  11.  Sitzung  des  Reichstags.

(Die  Generaldiscussion  über  den  Verfassungsentwurf  hatte  am  9.  März  begonnen.  An
diesem  Tage  sprachen  die  Abgeordneten  Twesten,  welcher  sich  zwar  für  den  Verfassungsentwurf
  hatte  einschreiben  lassen,  denselben  aber  für  so  unzulänglich  erklärte,  namentlich  wegen  des
ungenügenden  Budgetrechts,  daß  er  im  Falle  diese  Mängel  nicht  beseitigt  würden,  mit  der  Verwerfung
  durch  das  Preußische  Abgeordnetenhaus  drohte,  Waldeck,  welcher  den  Entwurf  vom
Standpunkte  der  Demokratie  betrachtete,  Miquel  (von  Osnabrück),  welcher  vom  praktischen
Standpunkte  den  Entwurf  den  Verhältnissen  entsprechend  und  im  Vergleich  mit  den  früheren
Verhältnissen  als  einen  großen  Fortschritt  enthaltend  darstellte,  der  Abgeordnete  Dr.  Michelis
(Kempen),  welcher  von  der  Prenßischen  Verfassung  nichts  aufgeben  zu  können  erklärte,  weil  er
sie  beschworen  habe.  Dr.  Gerber,  welcher  den  Entwurf  als  das  Product  der  großen  Ereignisse
des  vorigen  Jahres  betrachtete,  und  es  für  patriotische  Pflicht  erklärte,  sich  den  Thatsachen  zu
unterwerfen,  Dr.  Rée  (ans  Hamburg),  welcher  erklärte,  er  spreche  als  Republikaner,  und  nur
mehr  freiheitliche  Institutionen  der  Bundesverfassung  verlangt,  um  Begeisterung  für  Preußen
auch  bei  den  Nichtpreußen  hervorzurufen;  Wagener  (Neustettin),  welcher  die  Hoffnung  ausspricht,
  daß  die  kleinen  Deutschen  Fürsten  je  länger  desto  mehr  das  Geheimniß  erkennen  würdene
weshalb  ein  Lord  Palmerston  und  ein  Lord  Derby  in  Europa  und  auf  der  ganzen  Erdmehr
  bedeuteten,  als  kleine  deutsche  Fürsten,  Rohden,  welcher  dem  Entwurf  ein  entschiede.
nes  Nein  entgegen  setzen  will,  weil  die  Völker  und  ihre  Verfassungen  mediatisirt  würden,
Am  zweiten  Tage  (11.  März)  sprach  zuerst  der  Abgeordnete  Köster  für  den  Entwurf,  dann
der  Abgeordnete  Lasker,  welcher  dieselben  Bedenken  hatte  gegen  den  Entwurf  wie  Twesten,
Dr.  Braun  (Wiesbaden),  welcher  unter  dem  Beifall  des  Hauses  ausführt,  daß  Sonderinteressen
  sich  den  allgemeinen  Interesseu  unterordnen  müßten,  und  daß  das  Werk  auf  der  Basis
der  gegebenen  Verhältnisse  auszuführen  sei,  damit  wir  uns  nicht  wieder  vom  Auslande  den