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Vorwurf  müßten  machen  lassen,  ein  Volk  von  bloßen  Denkern  und  Dichtern  zu  sein,  dann
der  Abgeordnete  Groote,  welcher  nur  ein  demokratisches  Deutschland  für  annehmbar  erklärt,
und  von  der  Kühnheit  des  Grafen  Bismarck,  welcher  schon  mit  den  Fürsten  fertig  werden
würde,  die  Beseitigung  des  particulariftischen  Widerstandes  fordert.  Nach  demselben  folgte  der
Graf  Bismarck.)

Wenn  ich  in  diesem  Stadium  der  Discussion  das  Wort  ergreife,  so  ist  es  nicht  meine
Absicht,  Sie  nach  dem  Wunsche  des  Herrn  Vorredners  durch  staatsmännische  Kühnheit
vor  dieser  gefährlichen  Eigenschaft  zu  warnen.  Es  ist  auch  nicht  meine  Absicht,  und  kann
sie  nicht  sein,  Ihnen  die  fehlenden  Motive  für  den  Gesammtinhalt  der  Regierungs-Vorlage
  zu  entwickeln;  —  aus  demselben  Grunde  nicht,  —  aus  dem  wir  überhaupt  keine
Motive  vorgelegt  haben.  Die  Arbeit,  m.  H.,  ist  zu  umfassend;  es  wäre  ein  „Werk“  darüber
  zu  schreiben  gewesen,  wenn  die  Arbeit  sich  einigermaßen  auf  der  Höhe  der  Aufgabe,
mit  der  wir  beschäftigt  sind,  halten  sollte.  Hätten  wir  Motive  der  Versammlung  der
Bundes-Commissarien  vorgelegt,  so  würden  wir,  ich  weiß  nicht  wie  viel  Zeit  über  deren
Discussion  verloren  haben;  schwerlich  nur  so  viel  Zeit,  wie  dazu  gehört,  sie  auszuarbeiten.
Es  ist  nicht  etwa  eine  Nichtachtung  des  Eindrucks,  den  unsere  Vorlage  macht,  daß  wir
uns  enthalten  haben,  die  Motive  vorzulegen.  Wir  hatten  buchstäblich  nicht  die  Zeit  dazu.
Eine  Arbeitszeit  von  vier  Wochen  für  einen  Rath,  welcher  mit  der  Anfertigung  der  Motive
  beauftragt  gewesen  wäre,  wäre  kaum  zu  kurz  bemessen.  Wenn  wir  uns  dann  auch
unter  den  verbündeten  Regierungen  verständigt  hätten  über  den  Text,  so  glaube  ich  doch
nicht,  daß  wir  heute  schon  hier  vereint  gewesen  wären,  wenn  wir  Ihnen  hätten  Motive
vorlegen  sollen.  Wir  wären  auch  in  die  Gefahr  gekommen,  in  diesen  Motiven  Dinge  zu
vertreten,  die  vielleicht  gar  nicht  bestritten  werden.  Die  Motive  werden  sich  aus  der  allgemeinen
  und  späteren  Specialdiscussion  ergeben  von  Seiten  derjenigen,  die  den  Verfassungs-Entwurf
  unterstützen,  oder  durch  die  Erklärungen  der  Regierungen,  die  gefordert
werden  und  die  sich  an  die  auftauchenden  Zweifel  knüpfen  werden.  Ich  mache  auf  die
zwei  hervorragenden  Reden  des  Hrn.  Abgeordneten  für  Wiesbaden  und  des  Hrn.  Abgeordneten
  für  Osnabrück  aufmerksam,  die  bereits  erheblich  an  Motiven  zu  diesem  Verfassungs-Entwurf
  beigetragen  haben.  Meine  Absicht  ist  eben  so  wenig,  der  Specialdiscussion
  vorzugreifen,  sondern  nur  wenige  allgemeine  Gesichtspunkte  zu.entwickeln,  die
uns  bei  der  Aufstellung  dieser  Verfassung  geleitet  haben.  Es  hat  nicht  unsere  Absicht  sein
können,  ein  theoretisches  Ideal  einer  Bundesverfassung  herzustellen,  in  welcher  die  Einheit
Deutschlands  einerseits  auf  ewig  verbürgt  werde,  auf  der  andern  Seite  jeder  particularistischen
  Regung  die  freie  Bewegung  gesichert  bleibe.  Einen  solchen  Stein  der  Weisen,  wenn
er  zu  finden  ist,  zu  entdecken,  müssen  wir  der  Zukunft  überlassen,  einer  solchen  Quadratur
des  Cirkels  um  einige  Decimalstellen  näher  zu  rücken,  ist  nicht  die  Aufgabe  der  Gegenwart.
Wir  haben  uns  zur  Aufgabe  gestellt,  in  Erinnerung  und  in  richtiger  Schätzung,  glaube
ich,  derjenigen  Widerstandskräfte,  an  welchen  die  früheren  Versuche  in  Frankfurt  und  Erfurt
  gescheitert  sind,  diese  Widerstandskräfte  so  wenig  als  es  irgend  mit  dem  Zweck  verträglich
  war,  herauszufordern.  Wir  haben  es  für  unsere  Aufgabe  gehalten,  ein  Minimum
derjenigen  Concessionen  zu  finden,  welche  die  Sonderexistenzen  auf  Deutschem  Gebiete  der
Allgemeinheit  machen  müssen,  wenn  diese  Allgemeinheit  lebensfähig  werden  soll;  wir
mögen  das  Elaborat,  was  dadurch  zu  Stande  gekommen  ist,  mit  dem  Namen  einer  Verfassung
  belegen  oder  nicht;  das  thut  zur  Sache  nichts.  Wir  glauben  aber,  daß,  wenn  es
hier  angenommen  wird,  für  das  Deutsche  Volk  die  Bahn  frei  gemacht  worden  ist,  und
daß  wir  das  Vertrauen  zum  Genins  unseres  eigenen  Volkes  haben  können,  daß  es  auf
dieser  Bahn  den  Weg  zu  finden  wissen  wird,  der  zu  seinen  Zielen  führt.  Wenn  zu
diesem  Zweck,  nach  unserer  Ansicht  wenigstens,  das  Gegebene  hinreicht,  so  begreife  ich
vollständig,  daß  viele  Wünsche  unbefriedigt  bleiben,  daß  man  daneben  noch  eine  Vorlage
anderer  Dinge  gewünscht  und  gleich  gewünscht  hätte.  Ich  begreife  aber  nicht,  wie  man,
weil  diese  Wünsche  bisher  unerfüllt  geblieben  sind,  das  Gebotene  ablehnen  will  und  dabei
doch  behaupten,  man  wolle  überhaupt  eine  Verfassung,  die  Deutschland  zur  Einheit  führen