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zu  bringen  in  der  Lage  nicht  waren.  Ich  habe,  als  hier  vorgestern  dasselbe  Recht  für  den
Preußischen  Landtag  in  Anspruch  genommen  wurde,  in  der  ganzen  Versammlung  keinen
Ausruf  des  Erstaunens  gehört,  außer  den,  den  ich  in  meinem  Innern  unterdrückte.  Ich
glaube,  m.  H.,  diejenigen,  die  dieses  Wort  aussprachen,  unterschätzen  denn  doch  den  Ernst
der  Situation,  in  der  wir  uns  befinden.  Glauben  Sie  wirklich,  daß  die  großartige  Be—
wegung,  die  im  vorigen  Jahre  die  Völker  vom  Belt  bis  an  die  Meere  Siciliens,  vom
Rhein  bis  an  den  Pruth  und  den  Dujester  zum  Kampf  führte,  zu  dem  eisernen  Würfelspiele,
  in  dem  um  Königs=  und  Kaiserthrone  gespielt  wurde;  daß  die  Million  deutscher
Krieger,  die  gegen  einander  gekämpft  und  geblutet  haben  auf  den  Schlachtfeldern  vom
Rhein  bis  zu  den  Karpathen;  daß  die  Tausende  und  aber  Tausende  von  Gebliebenen
und  der  Seuche  Erlegenen,  die  durch  ihren  Tod  diese  nationale  Entscheidung  besiegelt
haben,  mit  einer  Landtagsresolution  ad  acta  geschrieben  werden  können,  —  m.  H.,
dann  stehen  Sie  wirklich  nicht  auf  der  Höhe  der  Situation.  Es  liegt  mir  fern,  irgend
eine  Drohung  auszusprechen,  ich  achte  die  Rechte  unseres  Landtags,  ebenso  wie  ich  sie  von
Hause  aus  gern  geachtet  hätte,  wenn  es  mit  dem  Bestande  des  Preußischen  Staates  nach
meiner  Ueberzeugung  verträglich  gewesen  wäre;  aber  ich  habe  die  sichere  Ueberzeugung,  kein
Deutscher  Landtag  wird  einen  solchen  Beschluß  fassen,  wenn  wir  uns  hier  einigen.
Ich  möchte  die  Herren,  die  sich  diese  Möglichkeiten  denken,  wohl  sehen,  wie  sie  etwa
einem  Invaliden  von  Königgrätz  antworten  würden,  wenn  der  nach  dem  Ergebniß
dieser  gewaltigen  Anstrengung  fragt.  Sie  würden  ihm  etwa  sagen:  Ja  freilich,  mit  der
Deutschen  Einheit  ist  es  wiederum  nichts  geworden,  die  wird  sich  wohl  bei  Gelegenheit
finden,  sie  ist  ja  leicht  zu  haben,  eine  Verständigung  ist  ja  alle  Tage  wieder  möglich;  aber
wir  haben  das  Budgetrecht  des  Abgeordnetenhauses,  des  Preußischen  Landtages  gerettet,
das  Recht,  jedes  Jahr  die  Existenz  der  Preußischen  Armee  in  Frage  zu  stellen,  ein
Recht,  von  dem  wir  als  gute  Patrioten  niemals  Gebrauch  machen  würden,  und  sollte
jene  Versammlung  weit  auf  Abwege  gerathen,  die  es  wirklich  wollte,  so  würden  wir
den  Minister  als  Landesverräther  zur  Verantwortung  ziehen,  welcher  sich  zur  Ausführung
hergiebt.  Aber  es  ist  doch  unser  Recht;  darum  haben  wir  um  die  Mauer  von  Preßburg
mit  dem  Kaiser  von  Oesterreich  gerungen  und  damit  soll  der  Inbalide  sich  trösten  über
den  Verlust  seiner  Glieder,  damit  die  Wittwe,  die  ihren  Mann  begraben  hat?  M.  H.,  es
ist  wirklich  eine  vollständig  unmögliche  Situation,  die  Sie  sich  da  machen;  ich  wende  mich
gern  von  diesen  phantastischen  Unmöglichkeiten  in  das  reale  Gebiet  zurück  zu  einigen  Einwendungen,
  die  hier  gegen  den  Inhalt  der  Verfassungen  gemacht  worden  sind.  Es  ist,  ich
weiß  nicht,  ob  in  der  Thronrede  der  Ausdruck  stehen  geblieben  ist,  schon  gesagt,  daß  wir
das  Werk  der  Verbesserung  fähig  halten.  Ich  darf  wenigstens  hier  bezeugen,  daß  wir  für
keinen  Vorschlag,  der  wirklich  mit  der  Erleichterung  des  Zustandekommens  und  der
Verbesserung  des  Werkes  ernstlich  gemeint  ist,  unempfänglich  sind.  Sie  müssen  doch
die  Regierung  nicht  in  Verdacht  haben  und  keine  der  zweiundzwanzig  Bundesregierungen,
daß  sie  sich  von  der  historischen  constitutionellen  Entwickelung  Deutschlands  lossagen  wolle,
daß  sie  nun  dieses  Parlament  etwa  benutzen  wolle,  um  den  Parlamentarismus  im  Kampf
der  Parlamente  gegen  einander  aufzureiben.  Was  hätten  wir  denn  davon?  Ist  denn
eine  Regierung  auf  die  Dauer  denkbar,  namentlich  eine  solche,  die  sich  zur  Aufgabe  gestellt
  hat,  eine  Einheit  in  Feuer  oder  gar  in  kaltem  Metall,  wenn  das  Feuer  erkaltet  sein
wird,  zu  schmieden,  eine  Einigung,  die  nicht  überall  in  Europa  mit  Wohlwollen  gesehen
wird,  daß  diese  Regierung  es  sich  gewissermaßen  zur  systematischen  Aufgabe  stellt,  die
Rechte  der  Bevölkerung  auf  die  Theilnahme  an  ihren  eigenen  Geschäften  zu  unterdrücken,
abzuschaffen,  auf  ein  wildes  Reactionswesen  sich  einzulassen,  sich  in  Kämpfen  mit  der
eigenen  Bevölkerung  aufzuhalten,  —  m.  H.,  das  können  Sie  von  einer  Dynastie,
wie  sie  über  Preußen  regiert,  das  können  Sie  von  keiner  der  Dynastieen,  die  augenblicklich
  in  Deutschland  regieren,  erwarten,  daß  sie  an  ein  nationales  Werk  mit  dieser
Heuchelei  —  ich  kann  es  nicht  anders  nennen  —  herangeht.  Wir  wollen  den  Grad
von  Freiheitsentwickelung,  der  mit  der  Sicherheit  des  Ganzen  nur  irgend  verträglich  ist.