—  12  —

Es  kann  sich  nur  handeln  um  die  Grenze:  wie  viel;  was  ist  mit  dieser  Sicherheit  auf
die  Dauer  verträglich?  was  ist  jetzt  mit  ihr  verträglich?  ist  ein  Uebergangsstadium
nöthig?  wie  lange  muß  dies  dauern?  Es  kann  nicht  in  unserer  Absicht  liegen,
das  Militär-Budget  auch  für  den  Zeitraum,  wo  es  von  Ihnen  selbst  als  eisern  behandelt
  werden  sollte,  und  ein  solcher  Zeitraum  ist  meines  Erachtens  unentbehrlich,  Ihrer
Kenntniß  zu  entziehen.  Es  ist  hier  gesagt  worden,  als  wenn  das  Militär-Budget  mit
einer  gewissen  Heimlichkeit  nachher  behandelt  werden  sollte.  Soweit  ich  mir  überhaupt
diesen  Gedanken  schon  klar  gemacht  habe,  so  schwebt  er  mir  in  der  Art  vor,  daß  wir  jedenfalls
  ein  Budget  vorlegen  würden,  welches  die  Gesammt-Ausgaben  des  Bundes  umfaßt,
die  militärischen  nicht  ausgeschlossen;  nur  würden  wir  das  auf  der  Basis  des  mit  der
Vertretung  für  eine  gewisse  Dauer  von  Jahren  abzuschließenden  Vertrages  thun,  so  daß
man  uns  an  dem  Militär-Budget  für  diese  Zeit  keine  Streichung  machen  kann,  wenigstens
keine  solche,  die  nicht  mit  dem  Bundes-Feldherrn  vereinbart  wäre.  Es  ist  ja  möglich,
daß  der  Bundes-Feldherr  sich  überzeugt,  dies  oder  jenes  kann  ich  entbehren,  daß  er  selbst
sagt,  das  will  ich.  Aber  es  muß  einen  Zeitraum  geben,  in  welchem  die  Existenz  des
Bundesheeres  nicht  von  zufälligen  Schwankungen  der  Majorität  abhängt.  Ich  will
gern  zugeben,  daß  es  sehr  unwahrscheinlich  ist,  daß  sich  in  diesem  Reichstage  eine  Majorität
  finden  würde,  die  nicht  dasjenige  bewilligen  würde,  was  Ihrer  Meinung  nach  zur
Vertheidigung  des  Landes  hinreichend  ist.  Ich  fürchte  in  dieser  Beziehung  nicht  gerade
von  Partikularisten  auf  die  Weise,  auf  die  hier  hingewiesen  wurde,  ich  fürchte  vielmehr
von  der  Vermischung  der  Frage  über  die  Grenze  zwischen  parlamentarischer  und  fürstlicher
Gewalt  mit  der  Frage  von  der  Vertheidigungsfähigkeit  Deutschlands  dem  Auslande  gegenüber;
  ich  halte  es  nicht  für  gut,  daß  man  das  Bedürfniß  hat,  den  parlamentarischen
Einfluß,  den  man  erstrebt  und  den  wir  ja  gerne  den  Parlamenten  gönnen,  vorzugsweise
an  der  Armee  zu  üben,  während  mannifache  andere  Felder  immer  überbleiben,  um  ihn  zu
üben.  Ich  glaube,  m.  H.,  es  ist  ein  fast  wirksameres  Mittel,  sich  den  Einfluß  auf  die  Regierungen
  zu  sichern,  den  mehrere  vorgestrige  Redner  vermißten,  wenn  Sie  beispielsweise
die  Zollerträge  in  der  Richtung  Ihrer  Gesetzgebung  unterzögen,  welche  dem  Reiche  Hülfsquellen
  abschnitten;  wenn  Sie  beispielsweise  diejenigen  Beamten  abstrichen,  die  auf  dem
Reichsbudget  für  Zollerhebung  stehen;  wenn  Sie  Ihre  Thätigkeit  dahin  richten  wollten,
um  ein  Ihnen  unannehmbares  System  der  Regierung  zu  beseitigen,  das  Eisenbahn=  und
Telegraphenwesen  lahm  zu  legen.  Ich  glaube,  m.  H.,  das  wäre  vielleicht  wirsamer,  als
wenn  Sie  sich  die  Beschließung  über  Zusammensetzung  und  Ausdehnung  der  Armee  vorbehalten;
  denn  dann  richtet  sich  der  Beschluß  auf  die  Fundamente  der  Sicherheit  und  der
staatlichen  Existenz,  namentlich  in  einem  Bundesstaate;  da  ist  die  Regierung  in  derselben
Unmöglichkeit  nachzugeben,  in  der  die  Preußische  Regierung  sich  seit  mehreren  Jahren  zu
befinden  glaubte.  Wenn  diese  Einrichtung,  die  Bundes-Armee  —  vorläufig  diejenige
Basis,  welche  am  vollständigsten  ausgebildet  ist,  diejenige  Basis,  die  wir  am  unentbehrlichsten
  brauchen  —  durch  ein  jährliches  Votum  in  Frage  gestellt  werden  sollte,  m.  H.,  es
würde  mir  das  —  (verzeihen  Sie  mir,  wenn  ich  ein  Gleichniß  brauche  aus  einem  Beruf,
in  dem  ich  mich  früher  befand)  —  den  Eindruck  eines  Deichverbandes  machen,  in  welchem
jedes  Jahr  nach  Kopfzahl,  auch  der  Besitzlosen,  darüber  abgestimmt  wird,  ob  die  Deiche
bei  Hochwasser  durchstochen  werden  sollen  oder  nicht.  Aus  solchem  Deichverbande  würde
ich  einfach  ausscheiden,  da  wäre  mir  das  Wohnen  zu  unsicher,  und  ich  würde  mich  der
Gefahr  nicht  hingeben,  daß  einmal  diejenigen,  welche  die  Wirthschaft  mit  freier  Weide
wünschen,  über  diejenigen,  die  mit  bestellten  und  wasserfreien  Aeckern  die  Oberhand
gewännen  und  alle  durch  eine  Wasserfluth  zu  Grunde  gingen.  Jedenfalls,  wie  ich  es
mir  schon  anzudeuten  erlaubte,  brauchen  wir  in  dieser  Beziehung  ein  unantastbares
Uebergangsstadium,  bis  wir  organisch  zu  Fleisch  und  Blut  mit  einander  verwachsen
sind  und  dieser  Gedanke  wird  auch,  wie  ich  glaube,  von  einem  großen  Theil  der  strengen
Constitutionellen,  die  aber  das  Zustandekommen  der  Sache  wollen,  nicht  angefochten.
Im  Uebrigen  bemerke  ich  in  Bezug  auf  einige  Einzelnheiten,  die  monirt  worden  sind,  um