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hätte?  Die  Behauptung  daß  dem  so  sei,  nöthigt  mich,  auf  die  Debatten  von  voriger
Woche  in  Betreff  der  polnischen  Wahlen  zurückzukommen.  Ich  habe  damals  dem  Herrn
Abgeordneten  in  Aussicht  gestellt,  daß  ich  ihm  einige  Nachrichten,  die  uns  über  die  Wahlen
zugegangen  wären,  mittheilen  würde.  Seine  heutige  Rede  nöthigt  mich,  Wort  zu  halten,
und  ich  erlaube  mir,  auf  den  Tisch  des  Hauses  einen  Bericht  des  Oberpräsidiums  der
Provinz  Posen  niederzulegen,  aus  dessen  amtlichen  Angaben  ich  mit  Erlaubniß  des  Herrn
Präsidenten  einige  —  das  Ganze  würde  viel  zu  lang  sein  —  hier  vortragen  muß,  um
dasjenige  zu  erläutern,  was  ich  nachher  sagen  will.

Die  Herren  Abgeordneten  von  jener  Seite  (auf  die  polnische  Fraction  deutend)  hatten
bekanntlich  gesagt,  daß  die  Parteien,  daß  die  Geistlichkeit  sich  niemals  passiver  bei  den
polnischen  Wahlen  verhalten  hätte,  als  diesmal.  Ich  glaube  nicht,  daß  ein  Zehntel  derjenigen
  Fälle,  wo  das  Gegentheil  der  Fall  gewesen  ist,  zur  Kenntniß  der  Behörden  gekommen
  sein  wird,  denn  der  Pole  hat  eine  ehrenwerthe  Anhänglichkeit  an  den  Diener  seiner
Kirche,  und  ist  sehr  schwer  dahin  zu  bringen,  Zeugniß  gegen  ihn  abzulegen.  Indessen  dasjenige,
  was  zu  unserer  Kenntniß  gekommen  ist,  reicht  hin,  um  ex  ungue  leonem  zu  erkennen.
  Ich  erlaube  mir  nur,  drei  bis  vier,  ich  kann  nicht  sagen  hervorragendere  Fälle,
denn  sie  stehen  sich  alle  gleich,  anzuführen:  Der  Geistliche  Wieczorkiewicz  in  Splawie  hat
bei  einer  Zusammenkunft  mit  polnischen  Bauern  diese  mit  folgenden  Worten  angeredet:
„Die  Wahlen  sind  vor  der  Thür;  man  muß  sich  zusammennehmen,  sonst  wird  man  uns
verbieten,  polnisch  zu  sprechen,  polnisch  zu  schlafen,  polnisch  zu  beten,  polnisch  zu  singen
und  zu  weinen,  polnisch  eine  Kanzelrede  zu  halten,  —  unsere  Kinder  werden  alle  deutsch
werden,  und  dann  geht  es  in  Deutschland  gerade  so  wie  in  Rußland,  dann  werden  wir
gehangen  werden,  wenn  wir  uns  Polen  nennen“.  —  Ein  anderer  Fall:  Der  Probst  Kunze
in  Kiebel,  welcher  als  Wahl-Kandidat  für  den  Wahlkreis  Bomst-Meseritz  aufgestellt  war.
Derselbe  hat  nicht  nur  in  verschiedenen  Ortschaften,  z.  B.  in  der  Stadt  Wollstein,  Wahl-Versammlungen
  selbst  abgehalten  —  was  einem  Erlaß  des  hochwürdigen  Erzbischofs
direkt  widersprach  —  für  seine  Wahl  agitirt,  sondern  auch  in  den  Parochieen  Priement,
Altkloster  und  Schlussenze,  in  welchen  die  Pfarrgeistlichen  sich  von  der  Agitation  fern
hielten,  selbst  die  Leute  zur  Abgabe  der  Stimme  für  ihn  zu  bereden  gesucht,  indem  er
die  bekannten  Agitatonsmittel  bei  Polen,  man  wolle  ihnen  ihre  Sprache  und  ihren
Glauben,  bei  Deutschen,  man  wolle  ihnen  den  katholischen  Glauben  nehmen,  zur  Anwendung
  brachte.  Ferner:  Die  polnischen  Bauern  zu  Zodyn  haben  dem  Rittergutsbesitzer
Jaensch,  als  dieser  sie  am  Montag,  den  11.  Februar  fragte,  weshalb  sie  denn  zu  der
Partei  des  Probstes  Kunze  übergehen  wollten,  erwidert:  er  möge  doch  ihnen  das  nicht
nachtragen;  sie  wüßten,  daß  sie  ihm  so  Vieles  zu  danken  hätten  und  daß  er  gewiß  ihr
Bestes  wolle  —  aber  diesmal  könnten  sie  nicht  anders,  sie  dürften  nicht  seinem  Rath
folgen;  es  handle  sich  um  ihr  Seelenheil,  der  Obrasche  Probst  habe  ihnen  gesagt,  daß  sie,
wenn  sie  diesmal  nicht  Folge  leisten  und  nicht  seine  Zettel  abgeben,  bei  der  Osterbeichte
  nicht  auf  Absolution  rechnen  könnten.

In  Woynowo  sind  die  Frauen  der  Deutschen,  aber  katholische  Leute,  zu  ihrem  Dienstherrn,
  Gutsbesitzer  Boehmak,  gekommen  und  haben  ihm  Vorhalt  gemacht,  wie  er  ihre
Männer  könne  zu  einer  Sache  bereden  wollen,  bei  welcher  es  sich  um  ihr  Seelenheil  handle.
Auch  der  Probst  Zebski  in  Slupia  hat  am  10.  Februar  d.  J.  über  die  Wahl  gepredigt
—  das  haben  viele  in  demselben  Sinne  von  der  Kanzel  her  gethan  —  und  unter  vielen
Thränen  seinen  Parcchianen  versichert,  daß,  wenn  sie  nicht  einen  Polen  wählen,  sie  unzweifelhaft
  die  katholische  Religion  und  ihre  polnische  Sprache  aufgeben  müßten.  Nach  dem
Gottesdienst  sind  außerhalb  der  Kirche  durch  die  Kirchendiener  die  Wahlzettel  vertheilt
worden.  Ich  lege  dieses  Schriftstück,  welches,  ich  weiß  nicht,  ob  50  oder  20  Fälle  enthält,
auf  den  Tisch  des  Hauses  nieder  zu  Jedermanns  Einsicht,  und  glaube  es  später  durch  den
Druck  veröffentlichen  zu  sollen.  Ueber  die  Provinz  Westpreußen  und  den  polnisch  sprechenden
Theil  derselben  sind  die  umfassenderen  Nachrichten  noch  nicht  eingegangen.  Aber  aus  den
Bruchstücken,  die  mir  vorliegen,  kann  ich  doch  z.  B.  anführen,  daß  in  Orten,  wo  es  no-27

