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torisch  nur  drei  Leute  gab,  die  polnisch  konnten,  130,  sämmtlich  katholischer  Konfession,
geängstigt  durch  die  Sorge  für  ihren  Glauben  und  für  ihr  Seelenheil,  für  den  polnischen
Kandidaten  gestimmt  haben.  Die  Frauen  sind  hierbei,  wie  gewöhnlich,  in  Bewegung  ge—
setzt.  Eine  wird  hier  redend  eingeführt:  „wenn  wir  jetzt  zugeben,  daß  unsere  Männer  auf
einen  Deutschen  stimmen,  so  kommt  in  14  Tagen  ein  evangelischer  Geistlicher  und  tauft
uns  alle  um  und  wir  müssen  deutsch  werden“.  Ich  setze  hinzu,  daß  ich  bei  der  Heiligkeit  des
geistlichen  Standes  nicht  daran  zweifeln  kann,  daß  diese  Herren  das,  was  sie  ihren  Beichtkindern
  gesagt  haben,  wirklich  glauben,  aber  dann,  meine  Herren,  herrscht  unter  ihnen
ein  Grad  der  Unwissenheit  in  Bezug  auf  weltliche  Dinge,  die  der  Regierung  dringend
wünschen  lassen  muß,  daß  ihm  von  Seiten  der  höheren  Geistlichkeit  ein  Ende  gemacht
werde,  namentlich  wenn  die  Geistlichkeit  dort  die  Inspection  über  den  Jugend-Unterricht
behalten  soll.  Aus  dem  Ganzen  aber  ziehe  ich  den  Schluß,  daß,  wenn  die  polnisch  redenden
  Herren  Abgeordneten  irgend  ein  besonderes  Mandat  neben  dem  allgemeinen  hier
haben,  es  nur  dasjenige  sein  kann,  die  katholische  Kirche  gegen  alle  Angriffe  zu  vertheidigen.
  Nun,  m.  H.,  sollte  der  Fall  solcher  Angriffe  eintreten,  so  können  Sie  glauben,  daß
die  Königl.  Regierung  und  ich  persönlich  für  Sie  ein  ebenso  entschiedener  und  zuverlässiger
Bundesgenosse  sein  werde,  wie  etwa  mein  katholischer  Herr  Kollege,  der  Geheime  Rath
von  Savigny.  Es  ist  auch  für  die  Frage,  ob  die  Katholiken,  in  der  Ueberzeugung,  ihren
Glauben  schützen  zu  müssen,  oder  ob  die  Polen,  in  dem  Wunsche,  ihre  nationalen  Bestrebungen
  hier  bethätigt  zu  sehen,  gestimmt  haben,  das  Zahlenverhältniß  der  Einwohner
von  Wichtigkeit.  Es  giebt  nach  der  letzten  Zählung  in  den  Provinzen  Posen  und  Westpreußen
  —  um  diese  wird  es  sich  doch  hier  nur  handeln  —  unter  2,700,000  und  einigen
Einwohnern  1,150,000  Polen,  aber  1,400,000  und  einige  Katholiken,  polnische  und
deutsche  zusammengerechnet.  Es  geht  daraus  hervor,  daß  ungefähr  300,000  Katholische
deutscher  Zunge  sich  in  beiden  Provinzen  befinden,  welche  durch  diese  Umtriebe  bewogen
sind,  zum  großen  Theil  mit  für  die  polnischen  Kandidaten  zu  stimmen.  In  einigen  anderen
Kreisen  hat  sich  die  äußerste  Linke  der  Fortschrittspartei  herbeigelassen,  auch  ihrerseits  für
den  polnischen  Kandidaten,  Herrn  v.  Domianewski,  zu  stimmen.  Sie  sind  also,  wie  ich
hier  nachgewiesen  zu  haben  glaube,  nicht  legitimirt,  wenn  Sie  Namens  der  beinahe
3,000,000  Einwohner  dieser  beiden  Provinzen,  höchstens  legitimirt,  wenn  Sie  Namens
der  Katholiken,  nicht  aber,  wenn  Sie  Namens  der  Polen  sprechen,  namentlich  nicht  legitimirt,
  wenn  Sie  im  Namen  der  Nationalität  für  diejenigen  sprechen,  die  in  der  Furcht,
das  Heiligste,  was  sie  in  ihrem  Herzen  tragen,  ihren  Glauben  beeinträchtigt  zu  sehen,  für
Sie  gestimmt  haben,  in  Folge  einer  Furcht,  die  durch  künstliche  und  durch  unwahre  Vorspiegelungen
  in  ihnen  erregt  war.  Der  Herr  Vorredner  hat  mich  dadurch,  daß  er  selbst
sich  darauf  eingelassen  hat,  zu  einem  geschichtlichen  Rückblick  aufgefordert.  Ich  will  daher
auch  untersuchen,  ob  er  von  historischem  Standpunkte  etwa  einen  Beruf  hatte,  die  Interessen
dieser  Provinzen  besonders  zu  vertreten,  und  zwar  mehr  als  irgend  Jemand.  Wie  entstand
  denn  die  Provinz  Westpreußen  und  die  Ordensherrschaft  in  Preußen?  Der  Herzog
Conrad  von  Masovien,  um  sich  der  Einfälle  der  heidnischen  Preußen  zu  erwehren,  die
Cujavien  und  Masovien  bis  tief  hinein  verwüsteten,  rief  die  deutschen  Ordensherren  und
gab  ihnen  einen  kleinen,  damals  polnischen  Landstrich,  das  Dobriner  Land,  zugleich  versprach
  er  ihnen  —  und  das  lag  in  der  Natur  der  Sache  —  daß  sie  alles  besitzen  sollten,
was  sie  der  Wildniß,  der  menschlichen  und  der  natürlichen  —  dem  wilden  Stamme,  den
heidnischen  Preußen  abgewinnen  würden.  Auf  diese  Weise  wurde  das  gesammte  Land  östlich
  der  Weichsel,  welches  heutzutage  einen  erheblichen  Theil  von  Westpreußen  umfaßt,  ein
rein  deutsches  Land,  kolonisirt  durch  Deutsche,  und  dazu  erwarb  der  Orden  den  Theil  von
Westpreußen  links  der  Weichsel  durch  die  rechtmäßigsten  Verträge,  indem  nach  dem  Aussterben,
  nicht  etwa  einer  polnischen  Dynastie,  sondern  der  hinterpommerschen  Herzöge  mit
Mestewin  II.  im  13.  Jahrhundert  dieses  Land  Hinterpommern  mit  der  Haupstadt  Danzig
an  den  Lehnsherrn,  den  Markgrafen  von  Brandenburg  fiel,  der  Markgraf  Waldemar  davon
  Besitz  nahm,  und  als  nach  seinem  frühzeitigen  Tode  seine  Nachfolger  nicht  im  Stande