Thronrede  zum  Schluß  des  Reichstags  des  Norddeutschen  Bundes.
17.  April.

Erlauchte,  edle  und  geehrte  Herren  vom  Reichstage  des  Nord—
deutschen  Bundes!

Mit  dem  Gefühle  aufrichtiger  Genugthuung  sehe  Ich  Sie  am  Schlusse  Ihrer
wichtigen  Thätigkeit  wiederum  um  Mich  versammelt.

Die  Hoffnungen,  die  Ich  jüngst  von  dieser  Stelle  zugleich  im  Namen  der
verbündeten  Regierungen  ausgesprochen  habe,  sind  seitdem  durch  Sie  zur  Erfüllung
  gebracht.

Mit  patriotischem  Ernste  haben  Sie  die  Größe  Ihrer  Aufgabe  erfaßt,  mit
freier  Selbstbeherrschung  die  gemeinsamen  Ziele  im  Auge  behalten.  Darum  ist
es  uns  gelungen,  auf  sicherem  Grunde  ein  Verfassungswerk  aufzurichten,  dessen
weitere  Entwicklung  wir  mit  Zuversicht  der  Zukunft  überlassen  können.

Die  Bundesgewalt  ist  mit  den  Befugnissen  ausgestattet,  welche  für  die
Wohlfahrt  und  die  Macht  des  Bundes  unentbehrlich,  aber  auch  ausreichend  sind,
—  den  Einzelstaaten  ist,  unter  Berbürgung  ihrer  Zukunft  durch  die  Gesammtheit
des  Bundes,  die  freie  Bewegung  auf  allen  den  Gebieten  verblieben,  auf  welchen
die  Mannigfaltigkeit  und  Selbstständigkeit  der  Entwickelung  zulässig  und  ersprießlich
  ist.  Der  Volksvertretung  ist  diejenige  Mitwirkung  an  der  Verwirklichung
  der  großen  nationalen  Aufgaben  gesichert,  welche  dem  Geiste  der  bestehenden
  Landes-Berfassungen  und  dem  Bedürfuiß  der  Regierungen  entspricht,
sbre  Thätigkeit  von  dem  Einverständnisse  des  Deutschen  Volkes  getragen  zu
ehen.

Wir  Alle,  die  wir  zum  Zustandekommen  des  nationalen  Werkes  mitgewirkt,
die  verbündeten  Regierungen  ebenso  wie  die  Volksvertretung,  haben  bereitwillig
Opfer  unserer  Ansichten,  unserer  Wünsche  gebracht;  wir  durften  es  in  der  Ueberzeugung
  thun,  daß  diese  Opfer  für  Deutschland  gebracht  sind  und  daß  unsere
Einigung  derselben  werth  war.

In  diesem  allseitigen  Entgegenkommen,  in  der  Ausgleichung  und  Ueberwindung
  der  Gegensätze  ist  zugleich  die  Bürgschaft  für  die  weitere  fruchtbringende
  Entwickelung  des  Bundes  gewonnen,  mit  dessen  Abschluß  auch  die  Hoffnungen,
  welche  uns  mit  unseren  Brüdern  in  Süddentschland  gemeinsam  sind,
ihrer  Erfüllung  näher  gerückt  werden.  Die  Zeit  ist  herbeigekommen,  wo  unser
Deutsches  Vaterland  durch  seine  Gesammtkraft  seinen  Frieden,  sein  Recht  und
seine  Würde  zu  vertreten  im  Stande  ist.

Das  nationale  Selbstbewußtsein,  welches  im  Reichstage  zu  erhebendem  Ausdruck
  gelangt  ist,  hat  in  allen  Gauen  des  Deutschen  Vaterlandes  kräftigen  Wiederhall
  gefunden.  Nicht  minder  aber  ist  ganz  Deutschland  in  seinen  Regierungen
und  in  seinem  Volke  darüber  einig,  daß  die  wiedergewonnene  nationale  Macht

vor  Allem  ihre  Bedeutung  in  der  Sicherstellung  der  Segnungen  des  Friebens
zu  bewähren  hat.