Anhang.

Rede  über  die  Vereinigung  der  Herzogthümer  Schleswig  und  Holstein
mit  der  preußischen  Monarchie.

Ministerpräsident  Graf  v.  Bismarck:  Der  Herr  Abg.  (Twesten)  stimmt  für  die
Annexion.  Ich  bedaure,  daß,  über  den  Zweck  hinaus,  diese  Abstimmung  zu  motiviren,
seine  Rede  hauptsächlich  eine  versuchte  Beweisführung  gewesen  ist,  daß  die  Schleswig-Holsteiner
  Grund  hätten,  übler  Laune  zu  sein  über  Alles,  was  ihnen  von  Preußen  widerfahren
  ist.  Ich  erlaube  mir,  zunächst  einige  unrichtige  Thatsachen,  auf  welche  der  Herr
Redner  diese  Beweisführung  begründete,  nochmals  zu  berichtigen.  Ich  erkläre  es  für  positiv
  falsch,  daß  der  Prinz  von  Augustenburg  jemals  die  Preußischen  Februarbedingungen
angenommen  hat,  und  wir  würden  genöthigt  sein,  die  Briefe,  welche  darüber  vorliegen,
wenn  diese  unwahren  Behauptungen  ferner  aufrecht  erhalten  werden  sollten,  zu  veröffentlichen,
  obwohl  sie  ursprünglich  nicht  dazu  bestimmt  gewesen  sind.  Er  hat  sie  stets  nur  so
angenommen,  daß  er  sich  eine  Hinterthür  offen  gehalten;  er  hat  in  uns  die  Ueberzeugung
geweckt,  daß  die  vorbehaltene  ständische  Zustimmung  von  ihm  zu  diesen  Bedingungen
nicht  gesucht  werden  werde,  daß  er  vielmehr  im  Einzelnen,  vermöge  der  ständischen  Weigerung,
  loszukommen  suchen  werde  und  gerade  von  dem  Wichtigsten.  Bei  der  bekannten,
ost  erwähnten  Unterredung,  die  der  Herr  Vorredner  nochmals  angeführt  hat,  obschon  ich
nicht  weiß,  was  sie  mit  dem  heutigen  Zweck  zu  thun  hat,  muß  ich  zunächst  bestreiten,  daß
der  Prinz  in  einem  gereizten  Zustande  gewesen  ist.  Die  Unterredung  dauerte  drei  Stunden,
  von  neun  Uhr  bis  Mitternacht.  Am  Schlusse  derselben  hat  sich  der  Prinz  in  vollkommen
  freundlicher  Beziehung  von  mir  verabschiedet  und  gesagt,  er  werde  sich  die  Sache
in  Dolzig  weiter  überlegen  und  von  dort  aus  schreiben.  Ich  muß  der  Behauptung  des
Herrn  Vorredners  in  meinem  persönlichen  Interesse  entgegentreten.  Ich  habe  nicht  die
Gewohnheit,  in  meinem  eigenen  Hause  und  unter  vier  Augen  unhöflich  zu  sein,  und  bei
politischen  Verhandlungen  glaube  ich  mich  immer  so  verhalten  zu  haben,  daß  mein  Gegenpart
  nicht  ohne  sachlichen  Anlaß  in  einen  gereizten  Zustand  versetzt  wird.  Hätte  ich
gewußt,  daß  diese  Details  heute  von  der  Tribüne  vorgebracht  werden  würden,  so  würde
ich  mich  aus  den  Acten  vergewissert  haben,  wie  sie  damals  lagen.  Ich  kann  nicht  Alles
behalten,  was  in  drei  Jahren  geschieht;  aber  dessen  erinnere  ich  mich  ganz  genau,  daß  die
Forderung,  welche  ich  dem  Prinzen  jemals  in  Aussicht  stellte,  hinter  den  Februarbedingungen
  sehr  weit  zurückstand.  Es  handelte  sich  um  ein  Hafengebiet  und  um  feste  Stellungen
  an  den  beiden  Endpunkten  des  Nordostseekanals.  Die  militärischen  Beziehungen
konnten  zwischen  uns  damals  gar  nicht  so  genau  discutirt  werden,  in  allen  anderen  waren
unsere  Ansprüche  damals  sehr  viel  gemäßigter,  als  später  in  den  Februarbedingungen,
und  ich  glaube  versichert  zu  sein,  daß  ich  mich  dem  entsprechend  geäußert  habe.  Ich  erinnere
  mich  sicher,  daß,  als  ich  von  dem  Hafengebiet  sprach,  der  Prinz  darauf  hinwies,  das
könnte  sich  ja  gar  um  „Quadratmeilen“  handeln,  woraus  sie  eben  den  Maßstab  dessen,
was  er  zu  bewilligen  bereit  war,  entnehmen  können.  —  Daß  ich  in  früheren  Zeiten  zu
irgend  Jemand  gesagt  haben  solle,  ich  zöge  die  Personalunion  der  Einsetzung  der  Familie
Augustenburg  vor,  muß  ich  stark  bezweifeln.  Ich  kann  natürlich,  wie  schon  gesagt,  nicht