—  64  —

jedes  Wort  im  Gedächtniß  behalten,  was  ich  zu  den  vielen  hundert  Deputationen,  die  ich
gesehen  habe,  gesprochen  habe;  dieses  aber  kann  ich  nicht  gesagt  haben,  denn  es  ist  nie
meine  Meinung  gewesen,  und  warum  sollte  ich  grade  diesen  Leuten  in  dieser  Richtung
das  Gegentheil  meiner  Meinung  sagen!  Ich  habe  stets  an  dem  Klimax  festgehalten,  daß
die  Personalunion  besser  war,  wie  das,  was  existirte,  daß  ein  selbstständiger  Fürst  besser
war,  als  die  Personalunion  und  daß  die  Vereinigung  mit  dem  Preußischen  Staate  besser
war,  als  ein  selbstständiger  Fürst.  Welches  davon  das  Erreichbare  war,  das  konnten
allein  die  Ereignisse  lehren.  Wäre  Personalunion  das  Maximum  des  Erreichbaren  gewesen,
  so  hätte  ich  mich  vor  der  Hand  bei  der  damaligen  Lage  der  Dinge  im  Interesse
Deutschlands  nicht  berechtigt  und  berufen  gehalten,  diese  Abschlagszahlung  zurückzuweisen.
Aber  es  ist  nicht  zweifelhaft,  daß  im  ganzen  Laufe  des  Jahres  1864  eine  für  uns  irgend
annehmbare  Verständigung  mit  dem  Prinzen  von  Augustenburg  nicht  zu  erreichen  war,
und  daß  der  Prinz  die  Bedingungen,  die  Se.  Majestät  und  Sr.  Majestät  Minister  allein
annehmbar  hielten,  nicht  eingegangen  ist.  Ich  kann  noch  weiter  gehen,  wenn  wir  einmal
auf  Persönlichkeiten  kommen.  Noch  im  vorigen  Jahre,  kurz  vor  den  Gasteiner  Verhandlungen,
  habe  ich  den  Königlich  Baierischen  Minister,  Freiherrn  v.  d.  Pfordten,  gebeten,
ob  er  nicht  seine  Vermittelung  dahin  eintreten  lassen  wolle,  daß  zur  Verhütung  eines
Konfliktes,  der  ganz  Deutschland  ergreifen  könnte,  Unterhandlungen  geführt  würden,  durch
welche  der  Prinz  von  Augustenburg  bewogen  werde,  einen  für  Preußen  annehmbaren
Frieden  mit  Sr.  Majestät  zu  machen,  wobei  ich  erklärte,  daß  ich  dem  Prinzen  zu  diesem
Behufe  an  dem  Königlichen  Hofe  eine  günstige  Aufnahme  vermitteln  würde,  wenn  der
Prinz  sich  dorthin  begeben  wolle.  Herr  Freiherr  v.  d.  Pfordten  übernahm  sehr  bereitwillig
diese  Vermittelung;  er  hat  sich  demgemäß  an  den  Prinzen,  ob  an  dessen  Räthe  ebenfalls,
weiß  ich  nicht,  gewendet;  er  hat  jedoch  darauf  zuerst  mehrere  Wochen  lang  gar  keine  Antwort
  bekommen  und  später  eine  kühle  und  vornehme  Ablehnung.  Hierfür  habe  ich  Zeugen.
  Wenn  ferner  behauptet  worden  ist,  daß  sich  ein  Unterschied  in  dem  Eroberungsverhältniß
  von  Schleswig-Holstein  und  dem  von  Hannover  behaupten  ließe,  so  ist  dies  nur
so  zu  acceptiren,  daß  unser  Eroberungsrecht  an  den  Herzogthümern  jedenfalls  ein  noch
stärkeres  ist;  es  ist  ein  doppeltes!  Wir  haben  sie  zuerst  den  Dänen  und  zweitens
dem  mit  unseren  kriegerischen  Feinden  verbündeten  Prinzen  von  Augustenburg  abgenommen.
  Nehmen  Sie  an,  der  Prinz  wäre  wirklich  legitimer  Regent  gewesen,  so  ist  er  eben
so  sehr  der  Bundesgenosse  unserer  kriegerischen  Gegner  gewesen,  als  der  König  von  Hannover
  oder  der  Kurfürst  von  Hessen.  Er  ist  es  aber  mit  mehr  Besonnenheit  gewesen,  mit
mehr  Berechnung  und  mit  weniger  Offenheit.  Wäre  unser  Vorgehen  in  der  Mitte  Juni
dieses  Jahres  weniger  schnell  erfolgt,  so  würden  wir  es  erlebt  haben,  daß  auf  der  Basis
des  Bundesbeschlusses  vom  14.  Juni  c.  sich  in  Hannover,  an  dem  Krystallisationspunkte
des  Gablenz'schen  Corps,  Hannoversche  und  Augustenburgische  Truppen  bei  Stade  gesammelt
  hätten,  um  gegen  uns  im  Felde  zu  operiren  und  eine  Diversion  gegen  Berlin  zu
machen.  Ich  bedaure,  daß  der  Herr  Vorredner  von  der  Höhe  der  politischen  Auffassung,
die  ihn  sonst  kennzeichnet,  herabgestiegen  ist,  um  Persönlichkeiten  auf  der  Tribüne  in  diesem
  Augenblicke  vor  die  Oeffentlichkeit  zu  bringen.  Ich  kenne  nicht  die  einzelnen  untergeordneten
  Beamten  in  der  Verwaltung  von  Schleswig-Holstein;  ich  habe  in  diesem  Augenblick
  auch  nicht  die  Zeit,  mich  darum  zu  bekümmern.  Ich  muß  mein  volles  Vertrauen
auf  den  Baron  v.  Scheel=  Plessen  setzen,  und  er  genießt  es  in  vollstem  Maße.  Er  ist  der
erste  Schleswig.  Holsteiner,  der  schon  im  Jahre  1864  in  Schönbrunn  mir  den  festen  Entschluß
  aussprach,  für  nichts  Anderes,  als  für  den  Anschluß  an  Preußen  zu  wirken,  und
die  Verdächtigung,  daß  er  dänischen  Interessen  diene,  ist  eine,  die  er  nicht  verdient  und
die  ich  auf  das  Bestimmteste  zurückweise;  ich  baue  auf  seine  Treue  ebenso  fest,  wie  auf  die
irgend  eines  andern  Dieners  Sr.  Majestät  des  Königs.  Daß  die  K.  Staatsregierung
ihn  in  diesem  Momente  mit  einer  Freiheit  schalten  lassen  muß,  daß  ein  so  schneidiger  und
entschiedener  Charakter,  wie  der  des  Herrn  v.  Plessen,  der  sich  viele  Jahre  lang  im  Kampfe
für  sein  Land  gegen  Dänemark  bewährt  hat,  seine  unbequemen,  seine  rauhen  Seiten  hat,