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die  ihn  mitunter  über  das  Ziel  hinansschießen  lassen  mag  und  Freunde  verletzen,  anstatt
der  Gegner,  das  mag  sein;  dergleichen  ist  von  einer  kräftigen  und  männlichen  Natur  oft
unzertrennlich.  Ich  habe  aber  so  viel  im  Amte  gelernt,  daß  man  es  mit  in  den  Kauf
nehmen  muß.  Man  muß  bei  einer  starken  und  sonst  zuverlässigen  Persönlichkeit  auf  solche
kleine  Reibungen  gefaßt  sein  und  daraus  keine  Ursache  zum  Bruch  oder  zu  einer  Anklage
machen.  Ich  habe  nicht  Zeit  und  halte  es  nicht  für  zweckmäßig,  die  Geschäfte  dergestalt
zu  centralisiren,  daß  man  gewissermaßen  in  jedem  Gensdarm  persönlich  drinsitzen  will;
es  ist  ja  ein  gerechter  Vorwurf  gegen  die  Prenßische  Verwaltung,  daß  jede  Brücke  im
Lande  vom  Ministerium  selbst  gebant  wird  und  daß  jede  kleine  rechthaberische  Lokalbeschwerde
  von  verletzten  Gemüthern  gleich  an  die  große  Glocke  gehängt  wird,  mit  dem
Verlangen,  daß  man  deshalb  die  höchsten  Beamten  und  gleich  ganze  Systeme  wechselt.
—  Ich  komme  zu  einem  andern,  schwerer  wiegenden  Vorwurfe,  den  der  Herr  Vorredner
unserer  Politik  macht  und  zu  dessen  Besprechung  ich  etwas  weiter  ausholen  muß;  ich
meine  den  wegen  der  Möglichkeit  der  Abtretung  eines  Theiles  von  Nord-Schleswig.  Der
Herr  Vorredner  hat  auch  diesen  und,  wie  mir  scheint,  die  ganze  Weltlage  aus  dem  ausschließlich
  Schleswig-Holsteinischen  Standpunkte  aufgefaßt.  So  können  wir  die  Frage
nicht  beurtheilen.  Wären  wir  mit  Schleswig-Holstein  und  mit  Dänemark  allein  auf  der
Welt,  so  würde  ein  solcher  Friedens-Paragraph  nicht  existiren.  Ich  muß  um  Verzeihung
bitten,  wenn  ich  hierbei  weitläufiger  werde,  als  sonst  meine  Gewohnheit  ist,  oder  wenigstens
  doch  weiter  ausholen  muß,  um  ihnen  die  Gründe  klar  zu  legen,  welche  die  Königl.
Staatsregierung  bestimmt  haben,  einen  dem  öffentlichen  Gefühle  widerstrebenden  und  mit
den  reichen  Erfolgen  Preußens  anscheinend  im  Widerspruch  stehenden  Artikel  in  den  Frieden
  aufzunehmen.  Die  politische  Gestaltung,  welche  Europa  im  Jahre  1815  erhalten
hat,  die  Beziehungen  der  Kabinette  zu  einander,  von  da  ab  bis  zum  Jahre  1840,  geben
das  Bild  eines  großen  Europäischen  Defensivsystems  gegen  Frankreich.  Es  war  dies  die
natürliche  Rückwirkung  der  Eroberungskriege  des  ersten  Französischen  Kaiserreichs.  Dieses
  System  gewährte  seinen  Theilnehmern  eine  Sicherheit,  aber  eine  abhängige,  wenigstens
  für  Preußen.  So  lange  Preußen  ihm  angehörte,  mußte  es  auch  den  unglücklichen
Zuschnitt,  der  ihm  im  Jahre  1815  zu  Theil  geworden  war,  ertragen,  mit  seinem  Kommißbrot
  zufrieden  sein.  Es  hatte  dafür  Schutz  und  Sicherheit.  Die  früheren  Regierungen
  haben  es  nicht  für  zweckmäßig  gehalten,  Gelegenheiten,  die  zur  Abwerfung  dieses
Systems  sich  boten,  zu  benutzen.  Dieses  System  ist  gefallen  ohne  Preußens  Zuthun.
Wäre  also  durch  seinen  Fall  die  Sicherheit  in  zu  hohem  Grade  beeinträchtigt,  so  wäre
Preußen  selbst  daran  unschuldig;  es  ist  gefallen  durch  das  Jahr  1848,  durch  die  Politik,
die  seit  dem  Jahre  1848  oder  besser  seit  dem  Jahre  1850  von  Oesterreich  gegen  Preußen
getrieben  wurde,  und  die  es  sehr  schwer  machte,  das  frühere  maßgebende  Vertrauen  zu
Oesterreich  wieder  zu  erzeugen.  Den  letzten  Stoß  hat  die  heilige  Alliance  bekommen  durch
den  orientalischen  Krieg,  durch  das  Verhalten  Oesterreichs  gegen  Rußland,  und  der  Zerfall
  dieser  Alliance  hinterließ  einen  Zustand,  in  dem  Preußen  mit  Recht  oder  Unrecht  von
dem  Anslande  und,  zum  großen  Theil,  von  seinen  eigenen  Angehörigen  als  permanent
hülfsbedürftig  gegen  Frankreich  angesehen  und  diese  angebliche  Hülfsbedürftigkeit  zur
Basis  der  Spekulation  auf  unsere  Nachgiebigkeit  und  Bescheidenheit  gemacht  wurde.  Diese
Spekulation  ist  in  dem  letzten  Jahrzehnt,  namentlich  von  Oesterreich  und  von  einem
Theile  unserer  Deutschen  Bundesgenossen,  sehr  weit  getrieben  worden.  War  sie  eine  berechtigte?
  fragt  man  sich.  Die  Interessen  Preußens  tragen  an  und  für  sich  nichts  in  sich,
was  uns  nicht  den  Frieden  und  ein  freundlich-nachbarliches  Verhältniß  zu  Frankreich
wünschenswerth  machte.  Wir  haben  bei  einem  Kriege  mit  Frankreich,  selbst  bei  einem
glücklichen,  nichts  zu  gewinnen.  Der  Kaiser  Napoleon,  im  Widerspruch  zu  anderen  Französischen
  Dynastieen,  hat  in  seiner  Weisheit  erkannt,  daß  Frieden  und  gegenseitiges  Vertrauen
  im  Interesse  beider  Nationen  liege;  daß  sie  von  der  Natur  nicht  berufen  seien,  sich
gegenseitig  zu  bekämpfen,  sondern  als  gute  Nachbarn  die  Bahn  des  Fortschritts  in  Wohlfahrt
  und  Gesittung  mit  einander  zu  wandeln.  Zu  solchen  Beziehungen  mit  Frankreich
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