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ist  nur  ein  selbstständiges  Preußen  befähigt;  eine  Wahrheit,  die  vielleicht  nicht  von  allen
Unterthanen  des  Kaisers  gleichmäßig  erkannt  wird.  Wir  aber  haben  es  amilich  nur  mit
der  Französischen  Regierung  zu  thun.  Ein  solches  Nebeneinandergehen  bedingt  eine  wohlwollende
  Schonung  der  Interessen  beider  Völker.  Welches  sind  nun  im  großen  Ganzen,
ohne  den  zufälligen  Stoß  vorübergehender  Ereignisse  in  Ansatz  zu  bringen,  die  Interessen
Frankreichs  in  Bezug  auf  Deutschland?  —  Betrachten  wir  sie  ganz  ohne  deutsches  Vorurtheil,
  suchen  wir  uns  auf  den  Französischen  Standpunkt  zu  setzen!  Es  ist  das  die  einzige
  Art,  fremde  Interessen  mit  Gerechtigkeit  zu  beurtheilen.  Es  kann  für  Frankreich
nicht  erwünscht  sein,  daß  in  Deutschland  eine  Uebermacht  entsteht,  wie  sie  sich  darstellen
würde,  wenn  man  sich  ganz  Deutschland  unter  Oesterreichischer  Leitung  geeinigt  dächte,
ein  Reich  von  75  Millionen,  ein  Oesterreich  bis  an  den  Rhein;  selbst  ein  Frankreich  bis
an  den  Rhein  würde  kein  ausreichendes  Gegengewicht  bilden.  Es  ist  für  ein  Frankreich,
welches  mit  Deutschland  in  Frieden  leben  will,  ein  Vortheil,  wenn  Oesterreich  an  diesem
Deutschland  nicht  betheiligt  ist,  indem  die  Oesterreichischen  Interefsen  mit  den  Französischen
mannichfach  collidiren,  sei  es  in  Italien,  sei  es  in  dem  Orient.  Zwischen  Frankreich  und
einem  von  Oesterreich  getrennten  Deutschland  sind  dagegen  die  Berührungspunkte,  die  zu
feindlichen  Beziehungen  führen  können,  viel  weniger  zahlreich;  und  daß  Frankreich  den
Wunsch  hegt,  zum  nächsten  Nachbar  einen  solchen  zu  haben,  mit  dem  es  Aussicht  hat,  in
Frieden  zu  leben,  einen  solchen,  dem  35  oder  38  Millionen  Franzosen  im  defensiven
Kampfe  vollständig  gewachsen  sind,  ist  ein  natürliches  Interesse,  das  kann  man  ihm  nicht
verargen.  Ich  glaube,  daß  Frankreich,  in  richtiger  Würdigung  seiner  Interessen  weder
zugeben  konnte,  daß  die  Preußische  Macht  noch  daß  die  Oesterreichische  verschwände.  —
Welches  sind  weiter  die  Interessen  Frankreichs  bei  der  Europäischen  Entwickelung,  namentlich
  unter  der  jetzigen  Dynastie?  Es  ist  die  Berücksichtigung  der  Nationalitäten.
Diesem  System  entsprechend  hat  Frankreich  die  Dänische  Frage  von  Anfang  an  aufgefaßt;
  die  Französische  Regierung  hat  schon  auf  der  Londoner  Conferenz  und  in  der  Zeit
vor  und  nach  ihr  eine  weniger  schroffe  Stellung  gegen  die  Deutschen  Ansprüche  Dänemark
gegenüber  eingenommen,  soweit  diese  Ansprüche  mit  der  Idee  der  Nationalität  zusammenfielen.
  Die  vollständige  Durchführung  des  Nationalitäts-Principes  ist  bekanntlich  auf  der
Dänischen  Grenze  ganz  unmöglich,  weil  die  Nationalitäten  so  gemischt  sind,  daß  sich  nirgends
  eine  Grenze,  die  sie  vollständig  von  einander  sondert,  ziehen  läßt;  aber  es  war  das
Princip  im  Großen,  welches  Frankreich  vertreten  hat,  und  welches  es  Frankreich  möglich
machte,  den  Deutschen  Bestrebungen  nicht  mit  der  Schärfe  gegenüber  zu  treten,  wie  es
von  andern  Mächten  geschah.  In  der  Zwischenzeit  ist  man  in  vertraulichen  Besprechungen
mit  Dänemark,  mit  andern  Mächten  häufig  auf  diese  Frage  zurückgekommen;  wir  haben
niemals  die  Initiative  dazu  ergriffen,  weil  sie  uns  keine  bequeme  war.  Ich  bin  stets  der
Meinung  gewesen,  daß  eine  Bevölkerung,  die  wirklich  in  zweifellos  und  dauernd  manifestirtem
  Willen,  nicht  Preußisch  oder  nicht  Deutsch  sein  will,  die  in  zweifellos  manifestirtem
  Willen  einem  unmittelbar  angrenzenden  Nachbarstaat  ihrer  Nationalität  angehören
will,  keine  Stärkung  der  Macht  bildet,  von  welcher  sie  sich  zu  trennen  bestrebt  ist.  Man
kann  zwingende  Gründe  haben,  dennoch  auf  ihre  Münsche  nicht  einzugehen,  die  Hindernisse
  können  geographischer  Natur  sein,  die  es  unmöglich  machen,  solche  Wünsche  zu  berücksichtigen.
  Es  fragt  sich  ob  und  in  wie  weit  dies  hier  zutrifft.  Die  Frage  ist  eine  offene;
  wir  haben  jederzeit  bei  ihrer  Erörterung  hinzugefügt,  daß  wir  uns  niemals  dazu
herbeilassen  können,  unsere  militärische  Sicherheitslinie  durch  irgend  ein  Arrangement  zu
compromittiren,  daß  wir  wohl  aber  zweifellos  und  unabhängig  ausgesprochene  Wünsche,
deren  Beharrlichkeit  und  ehrliche  Konstatirung  klar  wäre  an  dieser  geographischen  Stelle,
unter  Umständen  berücksichtigen  könnten.  So  ungefähr  hat  eine  Anzahl  vertraulicher  Besprechungen
  in  der  Zwischenzeit  gelautet.  —  So  lag  die  Sache,  als  Frankreich  durch  die
Ereignisse  im  Juli  d.  J.  in  die  Lage  kam,  seine  eigenen  Wünsche  mit  einem  ungewöhnlich
starken  Gewicht  zu  accentuiren.  Ich  brauche  Ihnen  die  Situation  nicht  zu  schildern,  sie  ist
bekannt  genug,  und  Niemand  hat  Preußen  zumuthen  wollen,  zwei  große  Europäische